"Silicon Jungle" Der Alptraum des Google-Chefentwicklers
Wer eine Ahnung davon bekommen will, womit die klügsten Köpfe unserer Zeit ihren Tag verbringen, dem sei "Silicon Jungle" empfohlen. Es ist der erste Roman des Google-Chefentwicklers Shumeet Baluja, der seine Geschichte bei dem natürlich rein fiktiven Suchkonzern Ubatoo spielen lässt.
Ein junger Entwickler, das erste Start-up ist bereits vor die Wand gefahren, heuert bei Ubatoo an, dem erfolgreichsten Suchkonzern schlechthin. Zunächst nur als Praktikant, und auch das erst nach einem rigiden Auswahltest. Bei Ubatoo hat Stephen Thorpe Zugriff auf enorme Datenmengen, er soll dafür sorgen, dass die Anzeigen der Werbekunden die richtigen Nutzer erreichen. Wer in einer bestimmten Stadt hat vor, in nächster Zeit ein teures Auto zu kaufen? So etwas sagen sie voraus, schreiben Programme, die in den E-Mails, Suchanfragen und sonstigen persönlichen Daten suchen. Am Ende steht eine Liste.
Stephen arbeitet wie besessen, in der Wohlfühlwelt des Konzerns mit den kostenlosen Cafés und Restaurants, verbringt er mit seinen brillanten Kollegen fast den ganzen Tag. Für seine neue Freundin Molly hat er kaum Zeit, aber die ist ebenso beschäftigt, mit ihrer Dissertation über Online-Foren, und wie sich deren Teilnehmer unbemerkt steuern lassen.
Um seine Vorgesetzen zu beeindrucken und eine der begehrten Stelle bei Ubatoo zu ergattern, will Stephen mehr aus den Ressourcen machen, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Da kommt die ACCL gerade richtig, die American Coalition of Civil Liberty, eine Bürgerrechtsgruppe. Für sie sucht Stephen nach Nutzern, die womöglich auf einer Terror-Liste der Regierung gelandet sein könnte - die ACCL will die Betroffenen informieren und zu ihren Rechten verhelfen.
So jedenfalls wird Stephen das Vorhaben dargestellt. Der Entwickler macht sich an die Arbeit und beschließt, nicht bloß eine Liste abzuliefern. Er will aus den Terrorismus-Daten ein Produkt machen, einen Webdienst, bei dem die Nutzer ihren aktuellen Terror-Score erfahren können. Nicht erst, als der Algorithmus Molly auf die Terrorliste setzt, entwickelt sich das Ubatoo-Praktikum ganz anders als geplant.
Praktikanten, die nach Belieben in privaten E-Mails lesen - man kann nur hoffen, dass nicht alles, was Shumeet Baluja in seinem Roman beschreibt, bei Google zum Tagesgeschäft gehört. Der Umgang mit großen Mengen an Nutzerinformationen hingegen ist bei Google ebenso wie bei Ubatoo Alltag, und die rasant erzählte Geschichte über die Auswertung solcher Daten und den damit zusammenhängenden Fragen profitiert von Balujas Insiderblick. Nur all zu viel Tiefgang darf man von der Story nicht erwarten.
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