Sicherheitsbedenken Bundestag bald "Microsoft-freie Zone"?
Vor einigen Monaten ging eine von diesen E-Mails um die Welt, die in den letzten Jahren die allseits beliebten "Hast-du-das-schon-gesehen?"-Faxe ersetzt haben. Ein Büroangestellter gab sie an den nächsten weiter, weltweit wurde gelacht. Thema der E-Mail: Microsofts Mail-Programm Outlook Express.
Der Gegenstand der E-Mail: In Form und Stil einer Zeitungsmeldung berichteten angebliche britische Forscher, dass nunmehr der wissenschaftliche Beweis dafür erbracht worden sei, dass Microsofts Outlook Express die Maul- und Klauenseuche nicht übertragen könne.
Die Pointe? "Dies ist der erste Fall, in dem bewiesen werden konnte, dass Outlook Express ein Virus nicht überträgt."
Der Witz zog - nicht zuletzt deshalb, weil er einen äußerst wahren Kern enthält. Es sei doch Besorgnis erregend, sagte Monika Griefahn, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, dass sich "80 Prozent der Viren über Software von Microsoft verbreiten".
Daran ist nichts zu deuteln: Das ist nicht mehr als die Bilanz der letzten zwei Jahre mit ihren "Love Letters" und "Kurnikowas". Und es ist Grund genug, meint Jörg Tauss, Vorsitzender des Unterausschusses für Neue Medien, den Bundestag zur "Microsoft-freien Zone" zu machen.
Tauss, seit langem als Freund von Open-Source-Programmen bekannt, verlangte eine Offenlegung der Quellcodes von Microsoft-Programmen. Ohne eine Kenntnis der Quellcodes sei es nicht möglich, an verbesserten Sicherheitsmaßnahmen zu arbeiten. Microsoft verweigert diese Offenlegung, die bei Open-Source-Software selbstverständlich ist und darum seit einigen Jahren in sensiblen Kontexten vermehrt Anwendung findet.
Mit dem Open-Source-Betriebssystem-Linux und einer wachsenden Anzahl professioneller Anwendungsprogramme wie beispielsweise Staroffice ist Microsoft in den letzten zwei Jahren eine kräftige Konkurrenz erwachsen. Über den Einsatz solcher Software-Plattformen statt der dominanten Microsoft-Programme wird in zahlreichen Ländern insbesondere in Behörden und Unternehmen diskutiert. Als problematisch sehen Sicherheitsexperten den Betrieb von Programmen, deren Source Code nicht bekannt ist, vor allem in Verbindung mit dem Internet. Man wisse einfach nicht genau, was diese Programme tun.