Social Networks Facebook ist (Scheidungs-)Anwalts Liebling
Facebook: Wichtige Recherchequelle in Scheidungsangelegenheiten
Foto: Maximilian Schönherr/ dpaDie Zahl ist beeindruckend, aber dann doch wenig überraschend: 81 Prozent der Mitglieder eines amerikanischen Verbands für Scheidungsanwälte haben schon einmal Beweise gesichtet oder genutzt, die sie in sozialen Netzwerken gefunden haben. Am häufigsten wurde dabei auf Facebook zurückgegriffen: 66 Prozent der Anwälte fanden hier Hinweise, die die Gegenseite Ins Schwitzen brachte. Abgeschlagen auf Platz zwei und drei: MySpace mit 15 und Twitter mit 5 Prozent.
Dabei seien es gar nicht unbedingt entlarvende Kuss-Bilder, die die Facebook-Nutzer in Bedrängnis brächten. Aber auch ohne derart drastische Beweise für Fehltritte in der Ehe sei es oft erschreckend simpel, kompromittierende Informationen über Ehepartner zu finden. Linda Lea Viken, die Vorsitzende des Verbands, sagt: "Es ist verflixt einfach. Man denkt dann 'Wollt ihr mich auf den Arm nehmen?'" Einige Beispiele dafür, was sich in Sozialen Netzen an Hinweisen finden lässt, verriet der Verband - natürlich ohne die Identität der jeweiligen Klienten preiszugeben:
- Ein Ehemann besuchte die Dating-Platform Match.com. Dort gab er an, er sei Single und kinderlos. Blöd nur, dass er sich mitten im Sorgerechtstreit um das angeblich nicht existente Kind befand.
- Eine Mutter gibt vor Gericht an, sie würde kein Marihuana rauchen. Das stimmte so allerdings nicht. Vielleicht hatte sie es ja auch nur vergessen. Ein besseres Gedächtnis hatte Facebook: Dort postete die Frau Fotos, auf denen sie gut erkennbar beim Drogenkonsum abgebildet war.
- Ein anderer Ehemann bestritt vor Gericht, dass er Probleme mit Aggressionsbewältigung habe. Als unbedingt friedfertig würde er sich wohl aber auch nicht beschreiben, so stand auf seiner Facebook-Seite in der Rubrik "Über mich Selbst": "Wenn du die Eier hast, mir unter die Augen zu treten, trete ich deinen Arsch in die Unterwerfung." Autsch.
- Einer Mutter wird im Sorgerechtstreit fehlende Fürsorge vorgeworfen: Sie spiele lieber mit dem Computer als mit ihren Kindern, behauptet die Gegenseite. Dabei ist sie tatsächlich sehr fürsorglich, nur nicht unbedingt in Bezug auf ihre Kinder. So verrät ihr Facebook-Account, dass sie sich rührend um ihren FarmVille-Bauernhof kümmert - wenn sie nicht gerade World of Warcraft spielt.
Solche Beweise spielen in immer mehr Scheidungsprozessen in den USA eine Rolle, bestätigt Anwältin Leslie Matthews aus Colorado. "Die Leute bemerken oft gar nicht, dass ihre Aussagen vor Gericht denen auf ihrer Facebook-Seite komplett widersprechen. Es scheint ihnen nicht einmal in den Sinn zu kommen, dass so etwas auch herauskommen kann."