Software-Tipp zum Fest: Planetare Odyssee mit Redshift 5.0 - DER SPIEGEL
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Software-Tipp zum Fest Planetare Odyssee mit Redshift 5.0

Echte Astronauten werden erst in Jahrzehnten zu den Planeten aufbrechen. Doch simulieren lassen sich die Sternenhimmel der fremden Weltraumwelten bereits heute: Am PC auf dem eigenen Schreibtisch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Weihnachtszeit - Reisezeit. Doch Hand aufs Herz: Auf unserem Planeten haben wir fast alle interessanten Ziele abgeklappert. Kein Grund zu verzagen, es gibt eine Alternative zur heimeligen Christbaum-Routine!

Buchen sie eine Kreuzfahrt in die kosmischen Gefilde der Monde und Planeten, kleinere Exkursionen als Zeitreisender sind sogar inklusive. Und bevor Bedenkenträger ihre warnende Stimme gegen die Drangsale von Weltraumreisen erheben, sei ihnen entgegnet: Weder kosmische Strahlung noch fataler Hüllenbruch können unsere Reisenden gefährden. Einem Absturz folgt lediglich der Neustart des Heim-PC, dem eigentlichen Raumschiff der simulierten Weltraum-Odyssee.

Mit dem Kauf des neuen Release der Planetariums-Software Redshift 5.0 löst der Bürostuhl-Astronaut sein Ticket. Wie in den Kuppelbauten der echten Sternentheater wird das Himmelsgeschehen mit dem Programm realistisch simuliert. Zwanzig Millionen Sterne, weit mehr als ein Kaufhausfernrohr einer Urlaubsnacht entlocken könnte, haben aus den Sternkatalogen Eingang in die Software gefunden.

Wissenschaftlich fundierte Traumreise

Dazu kommt die ganze Palette der Objekte, die den Nachthimmel bevölkern: Gasnebel und Galaxien, Asteroiden, Meteorströme und sogar Erdsatelliten und Raumsonden. Den Planeten und deren Monden haben die Programmierer mit Open-GL-Technik die realistische Darstellung der planetaren Oberflächen spendiert - zumindest soweit diese bekannt sind. Der virtuelle Standort des Himmelsbeobachters ist fast frei wählbar - nehmen Sie Platz irgendwo in den Weiten des Sonnensystems.

Auch der Himmel über jedem beliebigen Punkt der Erdoberfläche lässt sich auf den Bildschirm zaubern. So etwa die Stellung der Gestirne zum Geburtstermin, als der PC-Spökenkieker zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte - für Redshift kein Problem. Immerhin eine Möglichkeit, die Daten zu checken, auf deren Basis die Astrologenzunft Geburtshoroskope fabriziert. Aus dem Weltall lohnt sich ein Blick erdwärts. Die animierte Himmelsdarstellung zeigt beispielsweise, wie sich unser blauer Planet von der Warte der kreisenden Mondsonde Smart-1 aus darstellt.

Weltraum-Enthusiasten bietet der Gestirnsimulator eine Art Bordkarte für Flugtrips zu den Planeten. So kann durch Vordatierung der Programmzeit auf die Nacht zum 25. Dezember, also dem Landetermin der Sonde "Mars-Express", das Raumvehikel gleichsam noch überholt werden. Ihr Landegebiet - die marsianische Äquatorebene Isidis Planitia - ist schnell in einem Menü aus Hunderten von Destinationen auf dem Wüstenplaneten ausgewählt. Welchen Sternen wird sich also der ESA-Lander entgegen recken, wenn er nach der ruppigen Landung seinen Instrumentenmast in die eisige Marsluft streckt?

Bald geht die Erde unter

Während bei uns der nächtliche Schlaf der Gerechten geschlafen wird, ist es in der Isidis-Ebene früher Nachmittag. Im Südwesten steht die Erde noch zwei Hand breit über dem Horizont im Sternbild Jungfrau. Sie wird in gut einer Stunde untergehen. Gegenüber, hoch im Südosten, zieht der Marsmond Phobos seine Bahn. Mit seinem engen Orbit leistet sich der kartoffelförmige Minimond eine anarchische Eigenwilligkeit: Er geht im Westen auf und im Osten unter - gegen den Lauf der anderen Gestirne am Marshimmel.

Seine Bahn führt vorbei an der altgedienten Sonde Voyager-2 über den gesamten Himmel, um tief im Osten zwei amerikanische Marssonden zu passieren. Ihr "touchdown" ist erst für Januar geplant. Mit dem Sonneuntergang geht in Isidis ein vergleichsweise ereignisreicher Tag zu Ende und Redshift simuliert eine zauberhaft rote Mars-Dämmerung auf den Bildschirm.

Der Planetariumssimulator hat den PC-Astronauten optisch besser ausgerüstet als die ESA ihr Landegerät. Die Redshift-Zoom-Funktion gewährt einen sehnsüchtigen Fernrohrblick zurück zur Erde. Bei 2000-facher Vergrößerung werden die Ozeane und Kontinente und - falls angeklickt- die weißen Wolken der irdischen Lufthülle sichtbar.

Leider gibt sich der Himmelssimulator wenig Mühe mit der Szenerie unterhalb des Firmamentes: Die Marslandschaft wird lediglich als braune, konturlose Ebene dargestellt - hier zeigen echte Planetarien mehr Detailverliebtheit. Insgesamt jedoch hat die Software viele beeindruckende Simulationen zu bieten.

Dem vom planetaren Fernweh getriebenen Sternengucker droht jedoch eine ernste Gefahr. Zwischen all den virtuellen Weltraumzielen und den zahllosen Programmfunktionen vergehen die realen Stunden wie im Fluge. Am Ende hat er trotz ausgedehnter Weltraumfahrten seine Wohnung nicht verlassen. Und die echten Sterne womöglich nie gesehen.

Technische Details:
Betriebssysteme: Win98/Me/2000/XP
CPU: Athlon/Pentium ab 300 MHz
Memory: ab 64 MB
CD-ROM: ab 12-fach
Belegt in Minimalversion mindestens 105 MB auf der Festplatte

Preis: 79,90 Euro