Softwarepiraterie Massen-Razzien gegen Warez-Hacker
Allein in den USA wurden Zollangaben zufolge am Dienstag mehr als hundert Gebäude durchsucht - ein Schlag, der vor allem gegen die in der Warez-Szene aktive Gruppe "DrinkorDie" zielte. In Großbritannien nahm die Polizei am selben Tag sechs Verdächtige fest. Auch die Behörden von Australien, Kanada, Finnland und Norwegen gingen gegen Warez-Hacker vor.
Der US-Zoll wirft den rund 1500 Hackern vor, für 95 Prozent aller im Internet erhältlichen illegalen Software- und Spielfilmkopien verantwortlich zu sein und damit einen jährlichen Schaden von einer Milliarde Dollar (rund 2,2 Milliarden Mark) zu verursachen.
Aus dem US-Justizministerium hieß es, der Einsatz gegen die Warez-Szene sei der größte gewesen, den es je im Bereich der Software-Piraterie gegeben habe. In 27 Städten des Landes seien meist Privathäuser durchsucht und Computer beschlagnahmt worden. Festnahmen habe es aber nicht gegeben.
Anklagen wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht seien aber wahrscheinlich. "Wir müssen Berge von digitalen Daten analysieren", sagte Kevin Delli-Colli, Direktor der Anti-Schmuggelabteilung im Internet bei der US-Zollbehörde. Die Ermittler rechneten damit, dass sich aus dem Material genügend Beweise gegen einzelne Personen ergeben.
Allerdings solle nur die Verbreitung und nicht die Nutzung der illegalen Kopien verfolgt werden, hieß es bei den US-Behörden weiter.
Die Fahnder halten insbesondere "DrinkorDie", zu der auch Mitarbeiter von Computerfirmen zählten, für eine "straff organisierte" Gruppe. Häufig seien auf Universitätsrechnern Chatrooms und Internetseiten zum Erfahrungsaustausch über das Knacken des Kopierschutzes digitaler Produkte eingerichtet worden. Einige Mitglieder der Gruppe seien in der Lage gewesen, gehackte Dateien innerhalb von sechs Stunden auf 10.000 Internetseiten zu verteilen, hieß es.
Neben Software und Digitalfilme hätten die Hacker auch Musikdateien zum kostenfreien Herunterladen angeboten.
Die Warez-Szene: Organisiert, aber keine Organisation
Kostenfrei - denn Profite aus der "Piraterie" zu ziehen, ist in der Warez-Szene eigentlich verpönt. Die ist durchaus keine formelle Organisation, keine "Gruppe", auch wenn die Behörden sie nun zu einer Art Software-Mafia stilisieren wollen: Die Warez-Szene funktioniert eher nach dem Prinzip eines Peer-to-Peer-Netzwerkes. Sie versteht sich als Software hackende freie Community.
Das "Cracken" von Kopierschutzmaßnahmen und Programmcodes gilt in der Warez-Szene als Sport. "Geknackt" wird alles, egal, ob es gebraucht und verteilt wird oder nicht: Je mehr geglückte, schnelle Hacks man vorweisen kann, desto höher das Ansehen in der Szene. Es geht Warez-Hackern nicht um den Diebstahl oder die Verteilung von Software, sondern um den Hack an sich. Das Selbstverständnis der Warez-Szene ist eher eines von digitaler Anarchie, als "Kriminelle" sehen sich Warez-Hacker nicht.
Tatsache ist jedoch, dass die so entstehenden Programmcracks auch als "Piraten-Software" in Umlauf geraten - und dass der "Sport" der Warez-Hacker mit einem ganzen Strauß geltender Gesetze auf Kollisionskurs liegt. Dazu kommt, dass es in einem solchen Graubereich natürlich zahlreiche Berührungspunkte mit kriminellen Elementen im Web gibt. Eng ist auch die Verzahnung der Warez-Szene mit Schmuddelanbietern.
In Großbritannien hat die Polizei im Gegensatz zu den US-Behörden bei ihren Durchsuchungen am späten Dienstag bereits sechs Verdächtige im Alter zwischen 20 und 30 Jahren festgenommen. Die diese Verdächtigen gehörten wahrscheinlich der Gruppe "DrinkorDie" (Trink oder stirb) an, hieß es bei der nationalen Abteilung gegen Hightech-Kriminalität. Deren stellvertretender Chef, Mick Deats, sagte zu der Aktion gegen die Cyberpiraten: "Es waren kräftezehrende Ermittlungen, in deren Verlauf meine Mitarbeiter mit anderen Strafverfolgungsbehörden eng zusammenarbeiteten und die neueste Technik einsetzten, um diese Art der Kriminalität zu bekämpfen".