Sonderangebot: Lady-Gaga-Schnäppchen macht Amazon platt - DER SPIEGEL
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99-Cent-Album: Amazon ächzt unter Lady Gaga

Foto: MARIO ANZUONI/ REUTERS

Sonderangebot Lady-Gaga-Schnäppchen macht Amazon platt

Mit dem neuen Lady-Gaga-Album zum Schnäppchenpreis wollte Amazon neue Nutzer locken - doch dann war der Andrang so groß, dass die Server zusammenbrachen. Jetzt machen unzufriedene Kunden ihrem Unmut mit schlechten Bewertungen des Albums Luft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Idee war gut, vor allem gut gemeint: Zum Verkaufsstart des neuen Lady-Gaga-Albums " Born This Way" wollte Amazon neue und alte Kunden mit einem besonderen Schnäppchen locken. Einen Tag lang konnte man das neue Werk des Popstars auf der US-Website des Online-Händlers zum Sonderpreis von 99 US-Cent (rund 70 Euro-Cent) als MP3-Download kaufen. Ein Angebot, dem offenbar kaum ein Fan widerstehen konnte - und das Amazons sonst meist verlässliche Technik in die Knie zwang.

Schon am Vormittag amerikanischer Zeit, wenige Stunden, nachdem das Angebot online gegangen war, meldete das Unternehmen via Twitter: "Wir stellen derzeit eine große Nachfrage fest. Wenn Sie heute bestellen, bekommen Sie das @Ladygaga-Album für 99 Cent. Danke für Ihre Geduld."  Die Last der Downloads hatte das Server-System offenbar überfordert, etliche Käufer konnten die gerade günstig gekaufte Musik nicht herunterladen. Es hieß, die Downloads seien verschoben worden.

Viele Käufer reagierten prompt und reagierten sich in den Bewertungen zu "Born This Way" aus. Statt sich dort allerdings über die Musik auszulassen - die viele von ihnen ja noch gar nicht hören konnten - meckerten sie, wie unzufrieden mit und enttäuscht sie von Amazon seien.

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"Born This Way": Google mich, liebe mich!

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So wie "mouse", der schreibt: "Ich kann dieses Produkt nicht empfehlen, weil Amazon es nicht rechtzeitig liefern kann. Ich habe vielen Freunden gesagt, was für ein tolles Angebot es ist. Jetzt hat Amazon mich bloßgestellt. Das werde ich nicht vergessen." Die Vielzahl derartiger Rezensionen hat allerdings auch fast ebenso viele Gegenreaktionen provoziert, in denen Fans ihrem Idol zur Seite stehen.

Und was hat Apple damit zu tun?

Amazon-Anwender "eastcaost316" etwa erklärt zunächst, der Amazon-Support habe ihn über die Gründe für die Probleme aufgeklärt. "Bitte habt Geduld, Ihr kleinen Monster, denn ich weiß, das wir alle schon eine ganze Weile auf ihr neues Album warten." Solchen Rezensionen mit den entsprechend hohen Bewertungen zum Trotz, hat das Schnäppchenalbum im Amazon-Ranking mit dreieinhalb nur eine mäßige Gesamtbewertung bekommen.

Eine mindestens ebenso mäßige Gesamtbewertung hat bei vielen der Betroffenen nun aber Amazons Cloud-Computing-Dienst Cloud Drive bekommen. Dabei sollte das Gaga-Schnäppchen Amazons Online-Festplatte neue Nutzer zutreiben. Wer das Sonderangebot wahrnahm, konnte sich 20 Gigabyte kostenlosen Speicherplatz in der Datenwolke des Unternehmens sichern, auf denen das Gaga-Album sofort bereitstehen sollte.

Und vor allem wollte man wohl ein Zeichen setzen, sich als betriebsbereit und als Vorreiter Cloud-basierter Datendienste profilieren, wohl auch, um Google und Apple etwas entgegensetzen zu können. Google hatte kürzlich einen geschlossenen Test eines solchen Systems angekündigt. Der amerikanische iGeräte-Hersteller wird wohl Anfang Juni, auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC, einen ähnlichen Cloud-Dienst vorstellen, bei dem es primär darum gehe, Musik, Fotos und Videos online und nicht auf Festplatten, CDs oder Speichersticks zu lagern.

Das, muss man nun feststellen, ist Amazon gründlich daneben gegangen.

mak