Sony-Hacker operierten von Luxushotel aus - DER SPIEGEL
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Cyberattacke Sony-Hacker operierten von Luxushotel aus

Der Einbruch in Sonys Rechnersysteme erschüttert die IT-Sicherheitsbranche. Experten sprechen von einem beispiellosen Vorfall. Die Spur führt in ein Luxushotel in Bangkok.
Hauptquartier von Sony Pictures: Keine Chance gegen die Hacker
Hauptquartier von Sony Pictures: Keine Chance gegen die Hacker

Hauptquartier von Sony Pictures: Keine Chance gegen die Hacker

Foto: AP/dpa
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Mit ihrem Cyberangriff auf Sony Pictures haben unbekannte Hacker Sicherheitsexperten überrascht. Die Attacke sei ein beispielloser Vorfall , der gut geplant und von einer bestens organisierten Gruppe durchgeführt worden sei, sagt etwa Kevin Mandia. Er ist Chef der renommierten Sicherheitsfirma Mandiant, die für Sony den Vorfall aufklären soll. Die Schadsoftware sei für Antivirenprogramme nicht erkennbar gewesen, und Sony habe auf einen solchen Angriff nicht vorbereitet sein können.

Eine Hackergruppe, die sich als Guardians of Peace (GOP) bezeichnet, war Ende November in Computersysteme von Sony Pictures eingedrungen. Die Unbekannten behaupten, von dort gewaltige Datenmengen kopiert zu haben. Als ersten Beweis luden sie Anfang Dezember Kopien mehrerer bisher unveröffentlichter Kinofilme ins Netz. Einige Tage später stellten sie Daten zu vertraulichen Sony-Interna online. Darunter Angaben zu Produktionskosten verschiedener Filme, bisher unverfilmte Drehbücher, Lohnabrechnungen und persönliche Angaben zu Tausenden Mitarbeitern.

Am Wochenende schließlich erhielten viele Sony-Mitarbeiter eine E-Mail . Die Absender, die sich erneut als Guardians of Peace ausgaben, schrieben darin unter anderem: "Euch wird die Hoffnung verlassen, und Sony Pictures wird kollabieren." Weiter hieß es in dem Schreiben, "Sony Pictures ist schuld. Sony Pictures ist verantwortlich für alles, was auch immer das Ergebnis sein mag". Zum Schluss heißt es in der E-Mail nebulös: "Wenn ihr uns verhindern wollt, sorgt dafür, dass sich eure Firma weise verhält." Was damit gemeint ist, erklärt das Schreiben nicht.

Ermittler haben neue Hinweise auf die Vorgehensweise der Täter gefunden. Einem Bericht des Finanzmagazins "Bloomberg " zufolge konnten ihre digitalen Spuren bis in das St. Regis in Bangkok zurückverfolgt werden. Vom Netzwerk dieses Luxushotels aus hätten sie am 2. Dezember Sonys Filme und Daten ins Netz hochgeladen, berichtete dem Magazin eine Person, die mit den Ermittlungen vertraut sei.

Der Hinweis bedeutet freilich nicht, dass die Hacker in einer teuren Suite des Hotels residiert haben. Weiter als bis zum Netzwerk des Hotels konnten sie nicht verfolgt werden. Gut möglich, dass sie sich von der Lobby oder einem Restaurant aus mit einem Laptop ins Hotel-W-Lan eingeklinkt haben.

Nordkoreas Regierung weiß angeblich nicht einmal, wo Sony sitzt

Weitere Hinweise deuten darauf hin, dass es sich bei den Tätern um dieselben handeln könnte, die 2012 Saudi-Arabiens staatliche Ölgesellschaft Saudi Aramco angegriffen haben. Die gegen Sony eingesetzte Schadsoftware weise Parallelen zum Shamoon-Computerwurm auf, mit dem damals 30.000 Rechner infiziert wurden. Auch die 2013 gegen südkoreanische Systeme verwendete Schadsoftware DarkSeoul habe eine ähnliche Charakteristik gehabt, schreibt Sicherheitsexperte Kurt Baumgartner .

Genau wie beim Angriff gegen Sony haben auch Shamoon und DarkSeoul Daten von den Festplatten ihrer Opfer gelöscht. Und laut "Bloomberg" gibt es einen weiteren Hinweis darauf, dass alle drei Attacken von derselben Gruppe ausgingen: Ein Server in Bolivien, von dem aus die Angriffe koordiniert wurden, ist offenbar sowohl bei den Attacken gegen Südkorea als auch gegen Sony eingesetzt worden.

Auch aufgrund dieser Ähnlichkeiten zu Angriffen gegen Südkorea vermuten einige Experten weiterhin Nordkorea hinter der Sony-Attacken. Zudem gibt es im Quellcode der Schadsoftware Hinweise auf einen nordkoreanischen Ursprung. Diese könnten dort aber auch absichtlich platziert worden sein, um die Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken.

Am Wochenende widersprach die Führung in Pjöngjang Vermutungen, sie habe die Angriffe auf Sony in Auftrag gegeben, mit einer offiziellen Stellungnahme . In der heißt es, man wisse weder, "wo in den USA Sony Pictures angesiedelt ist", noch "wegen welcher Verfehlungen der Konzern angegriffen worden ist". Und man wolle das auch gar nicht wissen.

Ein Sprecher erklärte jedoch, der Angriff gegen Sony Pictures könne "eine gerechte Tat der Unterstützer und Sympathisanten" des Kampfes Nordkoreas gegen den "US-Imperialismus" sein. Dass man sauer auf die Filmfirma ist, hatte das Regime schon vor Wochen klargestellt. Eine Sony-Komödie, in der es darum geht, dass zwei US-Journalisten in das kommunistische Land eingeschleust werden, um Staatsführer Kim Jong Un zu töten, wurde als kriegerischer Akt bezeichnet.

mak