Sony PSP Besser verschoben als verhoben
Irgendwann in den Neunzigern kippte das alte Gleichgewicht zwischen Hard- und Software: Die Hardwarehersteller entwickelten Maschinen, bei denen die Softwarehersteller erst einmal überlegen mussten, was man nun wieder damit anfangen könnte. Hardware wurde - zumindest auf dem Markt der Spiele - zum Motor der Softwareentwicklung.
Eigentlich ist das unsinnig. Man baut kein Kino und fängt dann an, Filme zu drehen. Medienmogul Leo Kirch verkaufte in den Neunzigern Eintrittskarten für seinen Pay-TV-Zirkus DF1, bevor er Programm zu bieten hatte. Sein Imperium zerbrach letztlich an diesem Fehler.
Sony will solche Fehler offenbar nicht machen. Für die seit längerem angekündigte "Handheld"-Version der Playstation, kurz Sony PSP genannt, gäbe es in diesem Jahr noch kein passendes Software-Angebot. Bis das gewährleistet sei, verschiebe der Konzern die Veröffentlichung der portablen Spielekiste.
Die will kein Gameboy-Konkurrent sein, sondern weit mehr: Das Konzept der PSP sieht vor, dass es sich dabei um eine mobile Spielekonsole handeln solle. Unterwegs solle man damit spielen können, aber auch Musik hören oder Filme sehen, und mit dem Fernseher verbunden soll die PSP als voll gültige Spielekonsole funktionieren.
In Japan, sagt Sony, werde die PSP noch in diesem Jahr erscheinen, in den USA und Europa erst im nächsten Jahr. Analysten bezweifeln, dass Sony den Zeitplan halten kann - und dass das überhaupt sinnvoll wäre. Zu wichtig ist das Spielesegment für den Konzern Sony, der im letzten Quartal rund 16 Prozent des Gesamtumsatzes mit der Daddelware machte - und fast die Hälfte des Profits. Holprige Starts aber kosten Geld: Zuletzt krankte die Veröffentlichung der Microsoft Xbox daran, dass wirklich attraktive Spiele erst Monate nach Veröffentlichung der Konsole in ausreichender Zahl vorlagen.
Derweil bereitet sich Nintendo, mit dem Klassiker Gameboy nach wie vor Platzhirsch im Marktsegment der mobilen Spielgeräte, auf die neue Konkurrenz vor. Der Gameboy beruht auf einem mittlerweile satt zwölf Jahre alten und seitdem nur leicht modifizierten technischen Prinzip. "Nintendo DS" soll da mehr bieten - nur was genau, verrät Nintendo noch nicht. Nur so viel: Der DS solle über zwei Bildschirme verfügen.