Springer sei Dank B-B-Bild gibt's jetzt d-d-doppelt
Gerichtsverfahren können die Satiriker vom österreichischen Internet-Dienstleister Ican nicht schrecken: Die vor einem Jahr gestartete Parodie der Wiener "Neue Kronen-Zeitung" (mittlerweile unter www.dieklone.at erreichbar) bescherte Ican gleich acht Klagen des Originals. Sechs davon sind inzwischen mit Vergleichen beigelegt, zwei laufen noch. Insgesamt bezifferte die "Neue Kronen-Zeitung" den Streitwert auf acht Millonen Schilling.
Der Axel-Springer-Verlag gibt sich laut Ican-Geschäftsführer und "bildtotal"-Kopf Nikolaus Formanek bescheidener: 500.000 Mark Streitwert werden in der einstweiligen Verfügung genannt, die der Parodie Verwechslungsgefahr mit dem "Bild"-Logo ankreidet. Genaueres konnte Formanek am Dienstag noch nicht sagen: "Die einstweilige Verfügung kam am Freitagabend bei uns per Fax an. Wir mussten uns erst einmal einen Anwalt in Deutschland besorgen. Der nimmt den Schriftsatz jetzt unter die Lupe."
"Bild" sorgt sich wegen der Verwechslungsgefahr
Springer-Sprecher Tobias Fröhlich bestätigt, dass der Verlag wegen des an "Bild" orientierten Erscheinungsbildes der Parodie die einstweilige Verfügung erwirkt hat. Formanek glaubt jedoch nicht, dass die rechtlichen Schritte des Springer-Verlags Erfolg haben werden: "Wir haben die rechtliche Situation ja vorher prüfen lassen. Und eine einstweilige Verfügung bedeutet noch nichts."
Schon gar nicht das Ende von Schlagzeilen wie "Strom-Slip verhindert Samenraub", mit denen bildtotal.de aufmachte: Die Bild-Parodie ist ab Mittwoch mit leicht verändertem Logo unter der Adresse www.bbiilldd.de zu erreichen. Dort will Ican auch den weiteren Verlauf des Rechtsstreits dokumentieren.
"Es ist schon interessant, dass diejenigen, die sonst groß nach Meinungsfreiheit schreien, bei so etwas so schnell sind", kommentiert Formanek das Vorgehen des Axel-Springer-Verlages. "Aber sie verstehen nicht, dass das Internet nicht zu kontrollieren ist wie ihre Druckereien und Rundfunksender. Das ist die Revolution."
Für den weiteren Verlauf seiner Revolution hat Formanek noch einige weitere URLs auf Lager. Dabei hatte er nach dem Start von bildtotal.de am 23. Februar zunächst zuversichtlich verkündet, in Deutschland werde es zu keinen Gerichtsverfahren kommen: Die Bildzeitung werde sich professioneller verhalten als ihr österreichisches Pendant. "Jetzt bin ich verblüfft", gibt der Ican-Geschäftsführer zu. "Ich weiss nicht, was sich der Springer-Verlag und seine PR-Leute von dem Verfahren versprechen."
"Schmuddeljournalismus gestoppt!", jubelt dagegen die dieklone.at. Icans hauseigene "Krone"-Parodie scheint auf die Seite des Gegners gewechselt zu sein: Gnädig beweise der Springer-Verlag mit dem "lächerlichen Streitwert von 500.000 Mark" den "österreichischen Plagiatoren", dass es ihm nicht darum gehe, jemanden mundtot zu machen. Vielmehr ginge es Springer offensichtlich darum, eine faire Diskussion um die Meinungsfreiheit führen zu können. Genau so wird das sein.