Steile Pläne: Bald surft der Yeti - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Steile Pläne Bald surft der Yeti

Der Himalaya hat alles, was ein zünftiges Gebirge so braucht: Dicke, nur unter Mühen besteigbare Brocken, ein phantastisches Panorama, mythische Kreaturen - nur ein Internet-Café fehlte bisher noch. Das will schon bald ein berühmter Sherpa als "höchstes der Welt" eröffnen: auf immerhin 5300 Metern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Himalaya, unendliche Höhen: Jahr für Jahr pilgern Tausende von Alpinisten insbesondere zum Berg der Berge, dem Mount Everest.

Dem hang lang der Ruf der Unbesteigbarkeit an, bis 1953 Sir Edmund Hillary den Gipfel bezwang, Jahre später von Messners Reinhold gefolgt, der damit bewies, dass man auch noch klettern kann, ohne dabei auf Sauerstoff und damit Denkfähigkeit angewiesen zu sein. Seitdem herrscht am höchsten Berg der Welt Rush-Hour, und neben ambitionierten Alpinisten treibt es eine stetig ansteigende Zahl von Berg-Touristen die Steilhänge hinauf.

Den Lebensstandard der Sherpas, des legendären Bergvolks, das den zumeist europäischen Gipfelstürmern als in der Regel namenlose Träger und Führer dient, hat das hier und da gehoben. Einige wenige brachten es gar zu Prominenz.

Dazu gehörte definitiv Gyaltsen Sherpa, ohne den Hillary es wohl kaum auf den Gipfel geschafft hätte. Der selige Gyaltsen hat einen Enkel, und der hatte nun eine prächtige Idee: Pünktlich zum Jubiläum der Erstbesteigung will der, Tsering Gyaltsen, nun ein Internet-Cafe im Everest-Basislager auf 5300 Metern Höhe eröffnen. Das ist keineswegs eine skurile, sondern vielmehr eine äußerst geschäftstüchtige Idee.

Denn die Hundertschaften der Everest-Bezwinger kommen am Basislager nicht vorbei. Die meisten sind längst mit Satellitentelefonen bewaffnet, und nicht wenige dokumentieren ihre persönlichen Mühen auf dem Weg nach oben auf Webseiten, um der Welt kund zu tun: Es wurde mal wieder geschafft (und ich war dabei). Wem Laptop oder Satellitenbimmel ausfallen, der kann die Lieben daheim und den Rest der Welt erst mit viertägiger Verspätung informieren: So lang läuft man zum nächsten öffentlichen Telefon.

Grund genug, in der Cafe-Eröffnung ein lukratives Geschäft zu wittern, zumal die Arbeit am verdrahteten PC allemal bequemer und billiger sein dürfte als per Laptop und Satelliten-Handy.

Noch wartet Gyaltsen auf die offizielle Genehmigung der Regierung. Die technische Verbindung vom Berg der Berge zum Netz der Netze will er per Funk-und Satellitentechnik schaffen, den nötigen Strom sollen Solarzellen und Verbrennungsgeneratoren liefern.

Das klingt nach Abgasen, doch vielleicht heiligt ja der Zweck die Mittel: Gyaltsen will mit dem Cafe nicht reich werden, sondern etwas für die berühmte Bergwelt tun. Die Profite aus dem Web-Geschäft, ist zu hören, sollen einer Organisation zugute kommen, die hinter den Bergtouristen aufräumt. Denn die hinterlassen jedes Jahr mehrere Tonnen Müll. Experten vermuten allein auf dem Mount Everest noch über 100 Tonnen einfach liegen gelassene Gaszylinder, Verpflegungsverpackungen und anderen Dreck, mit dem sich die Bergtouristen in der Bergwelt verewigen.