Streit der Netzgiganten Facebook streicht Google-Anschluss
Facebook-Logo (gespiegelt): Das Unternehmen legt sich mit Google an
Foto: Chris Jackson/ Getty ImagesDie Funktion kennt jeder Internetnutzer: Man meldet sich bei einem neuen Dienst an und will überprüfen, ob den schon jemand nutzt, den man von anderswo kennt. Damit die Neulinge nicht jeden Namen ihrer Bekannten eintippen müssen, bieten vielen Web-Dienste Schnittstellen zu anderen Anbietern. Man loggt sich ein, gleicht die Kontakte ab und findet sofort alte Bekannte bei neuen Diensten wieder. Facebook-Neulinge müssten nun wohl auf einen derart komfortablen Import ihrer Google-Kontakte verzichten.
Anfang November sperrte Google Facebook den Zugriff auf die Kontaktlisten seiner Kunden. Google werde anderen Websites grundsätzlich so lange keinen automatischen Zugang zu Kontaktdaten erlauben, bis sie eine ähnliche Funktion anbieten, sagte ein Google-Sprecher damals. Denn einen vergleichbaren Zugriff auf Facebook-Kontakte hatte das Netzwerk Google-Nutzern nicht gewährt.
Nun gibt es eine Art Antwort von Facebook: Auf der euphemistisch als Freunde-Finder bezeichneten Seite bei dem Netzwerk ist das Google-Mail-Logo verschwunden. In Deutschland tauchen als Anbieter nur noch Skype, AIM, Windows Live Hotmail, Web.de, Freenet.de, ICQ, Yahoo und T-Online auf, laut "Techrunch" fehlt auch beim US-Angebot das Google-Logo. Auch beim seit gut einem Jahr zu Facebook gehörenden Dienst Friendfeed ist die Google-Mail-Option verschwunden.
Facebook-Sprecher haben sich zu dieser Veränderung noch nicht geäußert - es könnte sich also auch nur um ein vorübergehendes Problem handeln. Oder aber Facebook ist der Meinung, man könne nun auf eine Kooperation mit Google verzichten, weil für die Nutzer eine Möglichkeit zum Austausch von Kontaktinformationen gar nicht mehr so wichtig ist.
Jeder vierte Klick im US-Web bei Facebook
Schließlich sind schon viele Web-Nutzer bei Facebook registriert - laut eigenen Angaben hat das Netzwerk mehr als 500 Millionen aktive Mitglieder weltweit, etwa 250 Millionen davon loggen sich täglich ein. Statistiken der US-Markforscher von Hitwise zufolge entfiel auf Facebook in der zweiten Novemberwoche jeder vierte Seitenaufruf von US-Internetnutzern. Das ist ein Zuwachs um mehr als 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei Hitwise die mobile Internetnutzung gar nicht erfasst, bei der viel Datenverkehr auf Facebook entfallen dürfte.
Diese Entwicklung im Google-Facebook-Streit ist Teil einer extremen Konzentrationsbewegung im Netz, vor der der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, in einem Aufsatz warnt. Der Informatiker sieht den Grundsatz in Gefahr, den er vor 21 Jahren für das neue Netz aufgestellt hat: Ein "universelles, verbundenes Informationssystem" sollte das World Wide Web werden. Universell und verbunden sind die Informationen, die Facebook in seine Datenbanken saugt, bei weitem nicht. Nutzer konnten ihre Google-Adressbücher bei Facebook einlesen, umgekehrt war das nie möglich. Web-Erfinder Berners-Lee beschreibt den Zustand so:
"Wer einmal Daten bei diesen Diensten eingibt, kann diese nicht einfach so auf anderen Seiten verwenden. Jede Seite ist ein Silo, strikt getrennt von den anderen. Ja, die Nutzerseiten bei einem Dienst sind im Web, aber die Daten sind es nicht. Nutzer können eine Web-Seite mit einer Liste ihrer Kontakte bei einem Dienst aufrufen, aber sie können diese Liste oder Teile davon nicht an andere Dienste senden."
Der Web-Erfinder warnt: "Je weiter diese Art von Architektur sich verbreitet, desto fragmentierter wird das Web und desto weniger können wir einen universellen, verbundenen Informationsraum genießen."