Studie: E-Mails lügen nicht - DER SPIEGEL
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Studie E-Mails lügen nicht

Wenn Menschen kommunizieren, wird geflunkert, dass sich die Balken biegen. Besonders die "flüchtige" E-Mail-Kommunikation steht da in Verdacht, wenig verlässlich zu sein. Zu Unrecht, fanden US-Forscher heraus: Nirgendwo wird weniger gelogen als in E-Mails.
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"Schau mir in die Augen, Kleines", sagt Humphry Bogart zu Ingrid Bergmann, und wir wissen, was er damit erreichen will: Er will die Wahrheit ergründen. Denn "diese Augen können nicht lügen", glaubt man und meint damit, dass auf eine Kommunikation um so mehr Verlass sei, je direkter sie erfolgt. Je "anonymer" sie aber daherkommt, desto wahrscheinlicher sei es dann auch, dass gelogen werde.

Alles Unsinn, fanden Forscher an der Cornell University im Rahmen der ersten Studie heraus, die den Anteil erlogener Informationen in verschiedenen Kommunikationsformen erfassen will. Die Ergebnisse, die auf von Probanten erstellten Kommunikationsprotokollen beruhen, überraschen: E-Mail, wegen seiner Schnelligkeit und Beiläufigkeit immer im Verdacht, eine unverbindliche Kommunikationsform zu sein, entpuppt sich als mit Abstand lügenärmste Form des Dialogs.

Gerade einmal 14 Prozent aller in E-Mails enthaltenen Informationen, berichtet der "New Scientist" in seiner aktuellen Ausgabe, seien erlogen. Wer glaubt, dass das viel sei, vergleiche es mit anderen Kommunikationsformen: So seien 21 Prozent aller Aussagen in Instant-Messages erstunken und erlogen, 27 Prozent aller Auge-in-Auge-Gespräche enthielten deutlich verbogene Wahrheiten und sage und schreibe 37 Prozent aller telefonischen Aussagen.

Eine Erklärung haben die Forscher auch parat: E-Mail sei im Gegensatz zu den anderen Kommunikationsmöglichkeiten eben nicht "flüchtig". Da elektronische Brief-Kommunikation jederzeit und für alle Ewigkeit archiviert und widersprüchliche Aussagen immer wieder zitierend gegen einen Wahrheitsverbieger ins Feld geführt werden könnten, scheuten die E-Mail-Versender die Lüge mehr als bei Message, Gespräch oder Telefonanruf.

Das scheint vielen Usern sehr bewusst zu sein: Aus Bill Clintons gesamter Amtszeit sind beispielsweise nur zwei E-Mails archiviert, und auch George W. Bush enthält sich da so gut wie völlig. Das allerdings hat sehr konkrete Gründe: Seit dem Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton ("Impeachment") gelten im Weißen Haus sehr strenge Auflagen für den Umgang mit elektronischer Kommunikation.

Seine Befunde will Studienleiter Jeff Hancock im April im Rahmen der Konferenz über Mensch-Maschinen-Interaktion in Wien im Detail vorstellen.