Sun-Google-Kooperation Schuss vor den Bug von Microsoft
Einen "Schuss vor den Bug", nennen den Schritt die einen, "die Grundlage für einen direkten Angriff" die anderen - aber für alle Kommentatoren scheint eins klar: Das Ziel, der Gegner, das ist Microsoft. Google, seit einiger Zeit in einen heftiger werdenden Wettspucken mit dem Windows-Hersteller verwickelt, hat sich mit Microsofts direktem Konkurrenten Sun Microsystems verbündet. Einen "sehr bedeutsamen Deal", nennt Google-Chef Eric Schmidt die Übereinkunft - hält sich aber im Bezug auf Details vornehm zurück
Sun-Chef Scott McNealy sekundiert, indem er eine "ziemlich natürliche Partnerschaft" entdeckt zwischen dem Suchmaschinengiganten und seinem Softwarehaus. Schmitt und McNealy sind alte Freunde - Googles CEO hat früher für Sun Microsystems gearbeitet. Ein Analyst sprach sogar von "einem persönlichen Gefallen, den Eric Scott da tut".
"Wir erwarten mehr"
Was die beiden Unternehmen genau vorhaben ist noch nicht klar. Google werde unter anderem das von Sun geförderte Büropaket OpenOffice und dessen Software Java unterstützen, teilten beide Firmen mit. OpenOffice ist ein Konkurrenzprodukt zu Microsoft Office für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und andere Büroanwendungen.
Zwar bietet Sun sein OpenOffice-Paket bereits jetzt gratis zum Herunterladen im Netz an, es fehlte aber bislang ein starker Partner, um es ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Sun werde im Gegenzug die Google-Toolbar für Internet-Browser als Option beim Herunterladen der Oberfläche Java Desktop anbieten, hieß es weiter. Was weiter gehende Kooperationen angeht, antwortete McNealy auf Nachfragen von Journalisten wolkig: "Wir wollen nur über das reden, worüber wir hier jetzt reden", sagte er, und fügte hinzu: "Wir erwarten mehr."
Java ermöglicht Programmen, auf verschiedenen Betriebssystemen wie Windows, Linux oder Suns Solaris zu laufen. Es läuft auf mehreren hundert Millionen Computern und Mobiltelefonen - und galt einmal als Bedrohung für Windows. Im direkten Wettstreit haben sich die beiden Konkurrenten allerdings in einer ganzen Reihe von Prozessen nach und nach geeinigt. Anfang April 2004 hatten beide Unternehmen eine "intensive Kooperation" vereinbart und ihre Rechtsstreitigkeiten beigelegt.
Trotz allem bleibt Sun aber ein Konkurrent von Microsoft - und die Kooperation mit Google ist wohl tatsächlich in erster Linie symbolisch, ein Piekser gegen den Riesen. Analysten zeigten sich nach der Ankündigung weitgehend unbeeindruckt, die Google-Aktie fiel an der Börse sogar - obwohl McNealy orakelt hatte, es werde "eine Menge Geld in beide Richtungen fließen, wenn wir das richtig machen".
Christian Stöcker