Surftip: Verdienen Sie eigentlich genug? - DER SPIEGEL
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Surftip Verdienen Sie eigentlich genug?

Klar, die Inflation ist nur gefühlt, den Teuro gibt es nicht, und eigentlich wird alles immer billiger: Schon komisch, dass man immer weniger Geld in der Tasche hat. Um mehr Lohn zu verhandeln, ist nicht einfach - wer weiß schon, wie viel Geld wirklich angemessen ist? Doch da hilft das Web.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Web 2.0-Hype hin, Kommunikations-Overkill im Freundes-Netzwerk her: Es gibt sie noch, die Web-Angebote, die einfach nur eines sein wollen: nützlich. Adressen sind das, die man mit einem ganz genau definierten Interesse ansurft. Und wenn alles gut geht, bekommt man dort präzise Antworten auf präzise Fragen.

In genau diese Kategorie fällt der LohnSpiegel  der Hans-Böckler-Stiftung. Die ist so etwas wie das Weiterbildungswerk des deutschen Gewerkschaftsbundes und hat von daher ein ureigenes Interesse daran, Arbeitnehmer mit harten Fakten zu munitionieren: Schließlich geht darum, sich im Arbeitsleben nicht untertariflich bezahlt über den Tisch ziehen zu lassen.

Denn die Tarifverträge definieren mehr als nur Einstiegsgehälter oder Lohnstufen. Klar ist es leicht, aus einem Tarifwerk herauszulesen, was ein Arbeitnehmer im Beruf X im ersten, fünften oder zehnten Jahr verdienen sollte. Aber das auch noch in Verhandlungen dazu in Beziehung zu setzen, wie groß das Unternehmen ist, in welcher Funktion und mit welchen Befugnissen ein Arbeitnehmer betraut ist, wie viel er verdient, wenn ihm fünf, zehn oder fünfzig Leute unterstellt sind - das ist alles andere als profan.

Der eigentliche Clou am LohnSpiegel ist aber, dass er eben nicht nur die Daten der Tarifverträge vorhält. Die Datenbank fußt auch auf den Informationen, die ihre Nutzer dort fortlaufend eingeben. So entstehen Vergleichs- und Orientierungszahlen, die über die Tarifwerke teils gar nicht erfasst werden - und mit Ausbrechern nach oben wie unten Summen, die nicht unbedingt den Verträgen entsprechen müssen. Sie erfahren also, was Menschen in vergleichbaren Positionen verdienen - das hat was.

Als zusätzlichen Service gibt es dazu noch einen Brutto-Netto-Rechner, der Lohnsteuerklassen, Freibeträge, Kinderzahl, Versicherungspflichten und Bundesländer berücksichtigt. Die Ergebnisse sind hochpräzise, wie ein Vergleich mit der eigenen Lohnabrechnung schnell erweist.

Das macht Spaß - oder Frust

Der LohnSpiegel schafft das alles ganz selbsterklärend mit einem mehrstufigen Abfrage-Formular. Selbst komplexe Anfragen werden in googeliger Geschwindigkeit beantwortet, was natürlich auch zu Spielereien verleitet: Schauen wir doch mal nach, ob das realistisch ist, was der Angeber nebenan immer erzählt. Oder, ganz gruselig, checken wir doch mal, was die Frisöse in Chemnitz nach 29 Jahren Berufserfahrung in der Lohntüte findet (931 Euro im Monat bei 38 Stunden pro Woche). Wer danach kein Trinkgeld gibt, gehört als Sozialparia in der Chemnitz versenkt (so heißt nämlich auch das ortseigene Flüsschen).

Einmal im Fluss, könnte und sollte man dann vielleicht noch den Nachwuchs an den Rechner rufen, um dessen Berufswünsche mal einem kleinen Realitätscheck zu unterziehen. Das "Hey cool!" eines Vierzehnjährigen, wenn er hört, dass es im ersten Lehrjahr für 38 Stunden satte 300 Euro gibt, lässt sich mit einem Quersurfer in die Wohnungsanzeigen der örtlichen Lokalzeitung kurieren. Und spätestens, wenn man da mal verschiedene Berufe vergleicht, kommt selbst der verträumteste Spross darauf, dass dieser Job, den Mama oder Papa immer empfehlen, ganz so uninteressant nun doch nicht ist. Finanziell, zumindest.

Fazit: Die reine Nutzwert-Seite hat durchaus auch bildendes (und unterhaltendes) Potenzial. Hinsurfen, ausprobieren!

pat