Trailblazing: Lockstoff für ernste Inhalte
Surftipp 350 Jahre Wissenschaftshäppchen
Wissenschaft ist so ein Wort, mit dem man normale Bürger hierzulande regelrecht verschrecken kann: Wo sowas draufsteht, wissen sie, wird es unverständlich und langweilig. Oft genug stimmt das auch, und Schuld daran ist der Wissenschaftsbetrieb selbst: Ihm gelten allzu oft Dinge, die für jedermann verständlich sind, als unwissenschaftlich. Anspruch zeigt sich in dieser verqueren Tradition auch darin, dass man seine Erkenntnisse in einer Fachsprache serviert, die eben nicht allgemein verständlich sein soll.
Man könnte es den "impudens est pueros inflare"-Effekt nennen: Was man auf Latein (oder Kauderwelsch) sagt, klingt auch dann intelligent, wenn es eigentlich Grütze ist. Den obigen Satz könnte man übrigens mit "Es ist unverschämt, Kinder aufzublasen" übersetzen. Hätten Sie das geahnt?
In der englischsprachigen Welt ist das alles ein wenig anders. Dort gibt es eine Publikationstradition, die sich um Verständlichkeit bemüht. Meisterschaft äußert sich dort auch darin, höchst komplexe Dinge vermitteln zu können - Wissenschaft ist, was Wissen schafft.
Trailblazing: Galerie der Meilensteine
Deshalb ist eine Seite wie Trailblazing nicht wirklich etwas Besonderes. Betrieben wird sie von der hehren, 1660 gegründeten Royal Society , in der seit dreieinhalb Jahrhunderten die Creme der britischen Wissenschaftler ihre Erkenntnisse zum Besten gibt. Seit 1665 publiziert sie zudem die "Philosophical Transactions", in denen sich Autoren von Newton bis Darwin alles, was in der britischen Wissenschaft Rang und Namen hat verewigt haben. Und all diese Reichtümer der Wissenschaftgeschichte hält die Royal Society natürlich vollständig eingescannt als PDF-Dokumente bereit . Nur: Wer blättert schon durch PDF-Archive?
Denn der gemeine Netznutzer will keine Bleiwüsten, sondern schön aufbereitete Seiten, die ihm gut verdaulich servierte Informationen bieten. "Infotainment!", denkt da manch teutonischer Elfenbeinturmbewohner noch und treibt stante pede Pusteln, bevor ihn der Ekel-induzierte anaphylaktische Schock erlegt. Sein britischer Kollege sucht sich derweil professionelle Hilfe und lässt ein kleines, aber feines Info-Portal aufsetzen, um das im nächsten Jahr anstehende 350-jährige Jubiläum der Royal Society gebührend zu feiern. Und wie täte man das besser, als indem man Wissen schafft?
Und wenn es in verdaulichen Häppchen geschieht: Trailblazing bietet seinen Besuchern nicht viel mehr als eine schick aufbereitete Zeitleiste, auf der man aus 350 Jahren Wissenschaftsgeschichte einige ausgesuchte Events serviert bekommt. Die Bedienung der Seite ist einfach, die Info-Häppchen knapp (siehe Bildergalerie). Wer aber will, kommt mit einem Mausklick in die Tiefen der öffentlichen und kostenlosen Archive der Royal Society - und wer verirrt sich da sonst schon zufällig hin? Hut ab, das ist locker und mediengerecht, ohne die Wissenschaft zu trivialisieren: So etwas sähe man hierzulande auch gern.