Surftipp: Alle, alle unsere Stars - DER SPIEGEL
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Surftipp Alle, alle unsere Stars

Turbo-T-Shirt-Träger, Amateur-Ninjas und blamable Blondinen: Das Web hat etliche skurrile Videostars hervorgebracht. Die populärsten von ihnen hat jetzt eine US-Rockband für ein Musikvideo vereint.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Weezer muss man nicht kennen: Klar sind die Kalifornier Stars, punkten in den Charts seit 1994. Aber sie sind eben nicht Mainstream, sondern beschallen eine Nische. Wer College-Rock mag, kennt Weezer.

Zumindest im Internet ist Gary Brolsma aber deutlich bekannter. 2004 machte er nicht nur den unsäglichen Sommerhit "Dragostea din Tei" auch außerhalb der Eurotrash-Zone bekannt, sondern löste auch einen weltweiten Web-Hype aus, auf dessen Bugwelle schließlich Videoschnipsel-Angebote wie YouTube (das allerdings erst 2005 gegründet wurde) zum Erfolg geschwemmt wurden: Brolsmas "Numa Numa" war das erste millionenfach verbreitete "Lip-Synch"-Liedchen im Internet.

Damit steht der junge Amerikaner ziemlich weit oben auf dem Siegertreppchen der Internet-Stars, von denen es so einige gibt. Die meisten von ihnen kommen und gehen, sind für einige Monate populär, einige wenige aber werden zu regelrechten Ikonen der Popkultur.

Eine ganze Reihe von ihnen hat Weezer nun für das neueste Musikvideo "Pork and Beans" der Band zusammengebracht. Die Gruppe zitiert nicht einfach die bekannten Filmchen, sondern lässt deren Macher sich selbst zitieren - und schafft so eine ausgesprochen gutlaunige Hommage an diese Web-Stars, sie sind die eigentlichen Stars des Videos.

Die bekanntesten dieser seltsamen Menschen in dem launigen Video haben wir noch einmal zusammengetragen. Ihre Videos lassen ahnen, warum solche Video-Häppchen sich längst als Alternative zu manch drögem TV-Programm etabliert haben.

Der Prototyp: Gary Brolsma

Als sein "Numa-Numa-Dance" 2004 bei Newsground veröffentlicht wurde, war Gary Brolsma 19 Jahre jung - und auf einen Schlag weltweit bekannt. Das Video wurde allein bei Newsground mehr als 15 Millionen Mal abgerufen. Als es Monate später beim neu gegründeten YouTube auftauchte, begannen die Nutzer dort mit "Antworten": Das "Lip Synch" wurde für die folgenden zwei Jahre zu einem weltweiten Phänomen, das den Videoseiten nach mehreren Jahren, in denen sie kaum beachtet wurden, zum Durchbruch verhalf.

Der König des Web-Videos: Evolution of Dance

Der US-Comedian Judson Laipply ist der König des Web-Videos: Sein "Evolution of Dance" wird innerhalb der nächsten Tage mehr als 87 Millionen Aufrufe erlebt haben. Es ist damit das bisher beliebteste und meistgesehene Web-Video überhaupt und brachte dem bis dahin unbekannten Comedian Berichte, Interviews und Auftritte auf fast allen großen TV-Kanälen der USA ein - und in zahlreichen anderen Ländern der Welt.

Wie viele andere YouTube-Videos erntete auch Laipplys Tanznummer zahlreiche Repliken, Plagiate und Parodien. Die originellste ist wohl diese hier.

Der Afro Ninja: Pech bringt Glück

Was der "Afro Ninja" da vor der Kamera abzieht, ist letztlich eine Variante des "Star Wars Kid"-Phänomens (siehe unten). Bereits 2002 hatten Klassenkameraden eines 14-jährigen ohne dessen Wissen ein reichlich schusseliges selbstgedrehtes Video von ihm ins Netz gestellt, das millionenfache Verbreitung fand. Eine tragische Geschichte: Der Junge traute sich angeblich über Jahre nicht aus dem Haus, wurde in Web und TV verspottet und persifliert - und hunderte Male parodiert. Sein bekanntester Parodist ist der Afro Ninja - wahrscheinlich, weil er wie sein Vorbild das gar nicht vorhatte. Der Sturz auf die Nase war echt. Erst im Weezer-Video darf er dann endlich einmal zeigen, dass er mehr kann, als sich schusselig anzustellen.

Nasser Spaß: Die Cola-Fontäne

Wissenschaft macht Spaß: Dass es wahre Eruptionen gibt, wenn man zuckerlose Cola-Plörre mit Mentos-Minzen füttert, wissen wir alle seit 2007. Zahlreiche choreographierte Varianten des Experiments beherrschten über Monate die Video-Charts - und finden bis heute Nachahmer:

Schön blond: Lampenfieber wirkt

Wer an einer Miss-Wahl teilnimmt, hat in Regel wenig dagegen, prominent zu werden. Das hat sich die Miss South Carolina 2007 aber wohl etwas anders vorgestellt: Mehr als 25 Millionen Mal wurde das peinliche Video (siehe oben) allein bei YouTube abgerufen - eine Art Real-Life-Blondinenwitz.

Rekord: mehr T-Shirts geht nicht

Bescheuerte Beschäftigungen und Hobbys hatten Menschen schon lang vor Web-Video-Zeiten. Matt McAllister hält den Weltrekord im T-Shirt übereinander tragen. Früher wäre das ein Fall für dröge TV-Unterhaltung gewesen, heute für pointierte, witzige Web-Videos.

pat

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