Surftipp: Weihnachtliche Grüße aus Belgien - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Surftipp Weihnachtliche Grüße aus Belgien

"Bimbam" aus Belgien grüßt die Welt mit dem wohl witzigsten Weihnachtskonzert dieses Jahres. Dahinter steckt der Wettbewerb einer Kunst- und Jugendarbeits-Aktion: Die Gewinnermelodie erscholl ein Jahr lang vom Glockenturm.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Belfort oder Belfry von Gent ist der Stolz der Stadt: Der von 1313 bis 1380 erbaute Turm gehört bis heute zu den Monumenten, auf die die Stadtverwaltung gern verweist. Mehr noch: Der Belfort war und ist ein Symbol der Unabhängigkeit der kleinen belgischen Stadt. Erbaut wurde das rund 96 Meter hohe Gebäude vor allem als städtischer Wachturm. Von hoch oben hielten die Wächter Ausschau nach Feind und Feuer und sorgten dafür, dass die Bürger es im Falle des Falles rechtzeitig aus den Federn schafften. Was wäre dafür besser geeignet gewesen als eine mächtig fette Glocke?

Die heißt "Klokke Roeland", ist die Mächtigste im Turmbau, bei weitem aber nicht die einzige. Denn daneben gibt es noch 53 weitere Glocken, gemeinsam "Carillon" genannt, und die tönen seit Jahrhunderten in schöner Regelmäßigkeit ihre Lieder über die Stadt.

Und zwar immer die gleichen, meinten die Organisatoren von "BimBam", die genau das ändern wollen. Die alten Melodien seien doch inzwischen derart überholt, dass sie niemanden mehr ansprächen. Was lag da näher, als einen Wettbewerb auszurufen, um den "Belfort zu stürmen und eine Melodie ins Carillon zu programmieren, so dass das Instrument aus dem 14. Jahrhundert wieder eine Bedeutung gewinnt"?

Ein hehres Ziel, das hierzulande wohl unter reger Anteilnahme von Honoratioren und willfähriger Lokalpresse salbungsvoll und langweilig in die Totenstarre geredet würde.

Im Flamenland sieht das etwas lockerer aus: Der Link zur Aktion "Bimbam" - allein der Name wäre hier undenkbar - ging und geht noch um die Welt. Die weihnachtlichen Glockengrüße sind vielleicht das unverschämteste und trocken-humorigste, was das Web in diesem Jahr in dieser Hinsicht zu bieten hat. Und lakonischer kann man die Kreativität seiner surfenden Besucher wahrlich kaum herausfordern.

Hinter der Aktion steht mit der ehrenamtlichen Jugendorganisation "Use-it" und der Künstlerinitiative "de hondsjaren" ein Duo, dass sich die Belebung des sozialen Lebens in Gent auf die Fahnen geschrieben hat. Die Website bietet einige Tools, mit denen sich eine eigene Melodie für die 54 Glocken komponieren lässt.

Begonnen hatte das als Wettbewerb im letzten Jahr. Die Gewinnermelodie war nun zwölf Monate lang täglich vom Belfort zu hören - und nun als Abschiedsgruß im Web.

Ein Kurzbesuch, der sich lohnt: Kulturbeflissenen bietet die Website ein Paradebeispiel für innovative Web-Arbeit mit Bezug zu Region und Menschen. Allen anderen bietet sie einen Heidenspaß . Vor dem Klick: Boxen anschalten nicht vergessen!

Frank Patalong