Surftipp: YouTube setzt auf Hausmusik - DER SPIEGEL
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Surftipp YouTube setzt auf Hausmusik

Mit einem Kanal für selbstgemachte Musik will YouTube zurück zu den ursprünglichen Qualitäten der Videoplattform. Die Laien-Künstler dort werden am Werbeumsatz beteiligt - und hauen in die Saiten wie die Profis.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
YouTube-Hausmusik: Themenkanal für vertragslose Nachwuchsmusiker

YouTube-Hausmusik: Themenkanal für vertragslose Nachwuchsmusiker

Housemusic war vorgestern, Hausmusik ist angesagt: Das findet man offenbar bei YouTube und setzt mit dem Themenkanal Musicians Wanted  für handgemachte Musik einen Kontrapunkt zur Masse der professionellen Videos auf der Videoplattform. Das ist ein Stückchen Back to the Roots, denn die bisher erst kleine Sammlung von Kompositionen aus der Community versprüht eine Menge von dem Heimwerker-Charme, der YouTube einst populär und groß gemacht hat.

Doch die Sache ist mehr als nur ein Community-Showcase - es ist ein kleines Geschäftsmodell. Musiker, die ihre Videos hier veröffentlichen, werden am Umsatz beteiligt, der durch die im Umfeld platzierte Werbung erzielt wird. Geld gibt es auch dann, wenn die Videos mit Werbung auf anderen Seiten eingebunden werden.

Ob die Künstler dann ihren bisherigen Brotjob an den Nagel hängen können, wie es in einem vielleicht etwas zu launigen Intro-Video  zum Themenkanal heißt, darf man getrost bezweifeln. Aber es ist tatsächlich ein alternatives Geschäftsmodell zum klassischen "Sign up", dem Plattenvertrag für Künstler. Zumindest bei den zwei Videohosts Natalie Dawn und Jack Conte hat das schon funktioniert: Die Musiker sind YouTube-Stars mit Zehntausenden Fans, aber ohne Plattenvertrag. Conte ist ein echter Direktvermarkter: Er lebt von der Werbung zu seinen YouTube-Videos und vom Verkauf von MP3-Dateien  seiner Songs.

So spricht YouTube gezielt Indy-Künstler an. Bisher sind es vor allem Jungs und Mädels mit Singer-Songwriter-Appeal, die sich darauf eingelassen haben, Bands sucht man noch vergeblich. Klar, denn die Idee an sich ist auch nicht neu: MySpace wurde mit der Selbstpromotion zum Erfolg, zahlreiche Gruppen der vergangenen Jahre begannen ihre Karrieren mit Starthilfen aus dem Netz von Purevolume bis MP3.com.

Was YouTube auszeichnet, ist die Freiheit des Video-Exports: Mit wenigen Mausklicken lassen sich YouTube-Videos beispielsweise in Musik-Blogs einbinden, heute der vielleicht wichtigste Verteilkanal für neue, noch nicht bekannte Musik - und umgehend klingelt die Kasse. Zwar sicherlich nur verhalten, doch das dürfte sich summieren, wenn man wie Julia Nunes (siehe unten) Videos anbieten kann, die es auf rund 640.000 Abrufe in einem Monat bringen:

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Das erfolgreichste Video der 1989 geborenen Ukulele-Spielerin (!) hat soeben die Zwei-Millionen-Marke durchbrochen, ihre YouTube-Popularität hat ihr schon erste Auftritte eingebracht - darunter viermal als Vorgruppe für Ben Folds. Inzwischen füllte sie selbst schon Hallen und bringt in Kürze ihre dritte, ohne Plattenfirma produzierte CD heraus - produziert von Conte und Dawn.

Es scheint also denkbar, das so eine Form der YouTube-Präsenz zum zusätzlichen Standbein für vertragslose Künstler werden kann, die ansonsten von Bühnengagen leben müssen, vom Verkauf eigener Songs oder "Busking" - dem beliebten Hut-Rumreichen nach dem Auftritt in der Einkaufsstraße. Zumal da einiges an originärem, hoch professionellem Stoff zusammenkommt, wie die folgenden Videos zeigen.

Die Reaktionen der Community auf diese Songs, die man garantiert noch nirgendwo sonst gehört hat, sind jedenfalls positiv, mitunter euphorisch. Dass die meisten der Clips nicht viel mehr zu bieten haben als eine coole Stimme, einen guten Song und eine Gitarre, scheint genau das zu sein, was die YouTube-Nutzerschaft sucht: "Warum", fragt da einer in einem Kommentar zu so einem Stück Hausmusik, "hört man sowas nicht im Radio?"

Eine sehr gute Frage.

SPIEGEL ONLINE zeigt eine Auswahl von Hausmusik-Videos, von ganz schön rührend bis ganz schön witzig:

Frank Bell - "Better days"

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Nicht irritieren lassen: Der Ton setzt erst nach etwa 20 Sekunden ein.

Lauren O'Connell - "White Noise"

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MysteryGuitarMan - "Looping Around"

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LIzzy Loeb - "My Muse"