Surftipp Zoom hinein ins Elend der Welt
Im September 2000 definierten 189 Staaten der Welt unter dem Dach der UN ihre Ziele, was sie im Kampf gegen das Elend in der Welt bis zum Jahr 2015 erreichen wollten. Diese "Millennium Development Goals" werden von der UN ständig nachgehalten, Fortschritte wie Rückschläge dokumentiert und der Öffentlichkeit präsentiert. Das ist zwar löblich, aber Hand aufs Herz: Wann haben Sie sich das letzte Mal aus eigenem Interesse via UN-Website über die Situation in Niger, Boswana, Albanien oder den Kapverden auf den letzten Stand gebracht?
Das ist ein Dauerproblem aller Organisationen, die sich für eine Verbesserung der Lebenssituation von Menschen in der Welt einsetzen: Interesse bei Menschen und Medien finden sie in der Regel nur dann, wenn eine oft sowieso schlimme Situation ins Katastrophale abkippt. In der Regel also zu spät. Doch wie weckt man das Interesse der Öffentlichkeit, die im allgemeinen Info-Overload so schon alles hört und sieht, liest und bezeugt und in diesem lauten News-Rauschen nur noch das wahrnimmt, was spektakulär oder erschütternd ist?
Die Vereinigten Nationen haben sich für ihren MDG Monitor - die fortlaufende Dokumentation der Aktivitäten in Sachen Millennium Entwicklungsziele - eine Plattform gewählt, die in sich schon faszinierend ist: Google Earth. Die Software, die mehr oder minder den ganzen Globus per Satellitenbild von oben erschließt, hat sich längst zu einem alternativen Informationsmedium gemausert. Die Möglichkeit, über sogenannte Tags bestimmte Orte mit bestimmten Informationen - Texten, Fotos, Filmen - zu verbinden, macht die Themenrecherche zur Themenreise.
So erschließt sich die Informationsfülle weit spielerischer: Wie gewohnt dreht man am Globus herum, zoomt sich hinab, wo man mehr sehen will, und trifft bei dieser UN-Themenreise auf Tags, die Informationen in verschiedenen Tiefen anbieten. Zielgruppe sind sowohl ganz normale Web-Nutzer, die UN-Generalsekretär Ban Ki-moon so an den Medien vorbei direkt zu erreichen hofft, als auch recherchierende Journalisten, denen man so in einer semi-spielerischen Form Themenangebote macht.
Die von UN, Google und Cisco gemeinsam umgesetzte Info-Weltreise dokumentiert, wie kraftvoll und effektiv alternative Formen, Wissen zu erschließen, tatsächlich sein können. Die Präsentationsform allein verführt schon dazu, Orte mit Entwicklungsproblemen zu suchen, wo man sie normalerweise nicht vermutet - und entdeckt sie natürlich selbst in der eigenen geografischen Nachbarschaft. Tipp: Auch das extreme Hineinzoomen ins Elend lohnt. Erst aus kürzerer Distanz entdeckt man Tags, hinter denen sich weitere Infoquellen verbergen - von Fotografien der Orte bis hin zu Webcams. Hinsurfen, ausprobieren: Der MDG Monitor ist unser Surftipp zum Wochenende.
pat