SXSW: South by Southwest Interactive startet in Texas - DER SPIEGEL
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SXSW: Die Netzkonferenz in Texas

Foto: Larry W. Smith / dpa

South by Southwest Einfach mal machen

Bei der Digitalkonferenz SXSW Interactive kommen Zehntausende zusammen, um die Zukunft zu besprechen. Bedenkenträger sind in der Minderheit - es überwiegt die Experimentierfreude. Manche Idee dürfte Datenschützer schaudern lassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ohne Smartphone geht nichts in Austin. Viele Besucher der Netzkonferenz South by Southwest Interactive erledigen mit dem kleinen Gerät fast alles: Sie lesen erst das Programm , suchen dann den Weg zum gewünschten Veranstaltungsort, verabreden sich mit anderen Besuchern, bestellen sich einen Wagen per Uber oder Lyft, bezahlen die Fahrt, machen Fotos und Videos von den Vorträgen und twittern ihre Fragen an die Vortragenden. Anschließend bewerten sie, wie der Vortrag und das Essen drumherum waren - auch per Smartphone. Willkommen in der Gegenwart.

Während manche Konzepte in Deutschland noch skeptisch beäugt werden, etwa Übernachtungsportale wie Airbnb oder der Taxi-Ersatz Uber, werden sie hier längst selbstverständlich und exzessiv genutzt.

Zwar sind die Fahrdienste auch in Texas erst seit wenigen Monaten legal, aber das hat ohnehin niemanden interessiert: Drei Fahrer berichteten unabhängig voneinander, sie seien auch vorher schon gefahren, als Nebenjob. Und sie seien von Anfang an gebucht worden. Hier wird eben einfach mal gemacht.

Unter anderem deshalb kommen zur SXSW Menschen aus allen möglichen Ländern, Unternehmer oder Journalisten zum Beispiel. Sie möchten ein bisschen zu- und abgucken, wie woanders Dinge einfach mal gemacht werden.

Und sie wollen natürlich wissen, was das nächste heiße Ding wird. Andere glauben wiederum, das nächste heiße Ding selbst in der Schublade zu haben. Auf dem Film-, Musik und Digital-Festival South by Southwest, kurz SXSW, haben schließlich auch Twitter und Foursquare ihren Durchbruch erlebt. Und viele träumen seitdem davon, auch Teil einer solcher Erfolgsgeschichte zu werden - sei es als Start-up oder als Investor.

Über Snowden sind viele offenbar schon wieder hinweg

In Gesprächen und Kurzvorträgen buhlen die Start-ups um die Gunst der Investoren. In einem Saal des Hilton Hotels etwa möchte McDonald's am ersten Tag Ideen hören zur Zukunft des Restaurants. Junge Firmen tragen vor, wie sie sich die Zukunft vorstellen: Das Start-up Snowshoe  zum Beispiel stellt intelligente Plastikplättchen vor, die mit Touchscreens interagieren können. Ganz ohne App könne ein beliebiges Objekt darüber mit jedem Smartphone sprechen, erklärt die Vortragende - und ein Handy habe schließlich jeder dabei. Man könne mit dieser Technologie die Treuekarten im Restaurant revolutionieren oder den Kindermenüs Spielzeug beilegen, das seinerseits neue Spiele freischaltet.

Auch das zweite Start-up möchte Unternehmen die Chance eröffnen, möglichst schnell und unkompliziert über die Handys mit den Menschen da draußen in Kontakt zu treten, ohne dass die sich vorher extra eine App installiert haben. Das soll über ein für das menschliche Ohr nicht hörbares Geräusch passieren, deshalb nennt sich die Firma Lisnr , abgeleitet vom englischen "listen" (zuhören). "Wäre es nicht cool, wenn man in ein Restaurant käme und die Mitarbeiter einen gleich namentlich begrüßen könnten?", fragt Firmengründer Rodney Williams.

Datenschützer dürfte es bei solchen Vorschlägen gruseln. Zwar sind die Enthüllungen von Edward Snowden auch an dieser Digitalkonferenz nicht vorbeigegangen, doch scheint sich zumindest diese Szene hier schon wieder gefangen zu haben.

Im Programm finden sich nur noch vereinzelt Vorträge, die sich mit der Sicherheit und den Gefahren einer vernetzten Welt befassen. Mittlerweile überwiegt hier wieder ganz klar das, wofür die Konferenz immer gestanden hat: ein experimentierfreudiger Technikoptimismus. Wearables, vernetzte Autos und Haushaltsgegenstände werden hier als potenzielle Bereicherung des Lebens begriffen, nicht als mögliche Gefahr. Die Grundeinstellung hier scheint zu sein: Einfach mal machen - weil es geht.

Musizierende Poster und ein Appell von Al Gore

Dabei geht es aber nicht allein darum, mit einer guten Idee steinreich zu werden. Die SXSW und viele ihrer Besucher haben den Anspruch, neue Technologien sinnvoll einzusetzen und damit die Welt besser zu machen - sei es für den Einsatz für Menschenrechte, sichereren Straßenverkehr, transparentere Lebensmittelkontrollen oder den Umweltschutz.

So hatte der Politiker und Umweltschützer Al Gore am Vormittag die Besucher in einem Vortrag zum Klimawandel dazu aufgerufen, "eine Revolution zu starten": "Organisiert euch im Internet, nutzt die sozialen Netzwerke, um die Fakten nach draußen zu tragen."

Und wenn die Welt nicht gleich gerettet werden kann, so möchten doch manche junge Gründer sie zumindest ein bisschen schöner machen. Kate Stone, Gründerin des britischen Start-ups Novalia , zeigt auf der Konferenz beispielsweise, wie ihre Firma gedruckte Dinge zum Leben erweckt. Der Nutzer soll mit dem vermeintlich toten Papier interagieren können. So kann man etwa mit ein bisschen Technik Plakate, Plattencover oder andere Drucksachen so gestalten, dass der Nutzer ihnen Musik entlocken kann.

"Ich will meine Leidenschaft mit möglichst vielen Menschen hier teilen", sagt Stone und zeigt ein Poster, auf dem ein Schlagzeug abgebildet ist. Dann klopft sie mit den Fingern auf die Trommeln - und erzeugt plötzlich Töne. Sie spielt Schlagzeug auf einem Plakat. Das Publikum macht "ah" und "oh" und applaudiert, eine Frau flüstert: "This is so good." Die Zuhörer wollen nach dem Vortrag das Poster anfassen, Kate Stone alle möglichen Fragen stellen, ihre Visitenkarte bekommen und Videos mir ihr drehen. Sie hat das geschafft, wovon hier viele träumen. Und zwar schon am ersten Tag.