Hacker-Gruppe Dragonfly Cyber-Angriffe gegen westliche Energieunternehmen
Windräder und Strommasten: Die Hackergruppe Dragonfly legt sich mit der westlichen Energiewirtschaft an
Foto: Julian Stratenschulte/ dpaEine professionell agierende Hacker-Gruppe zielt offenbar auf die westliche Energiewirtschaft. In den vergangenen Monaten hätten die Angreifer bereits Infrastruktur sabotieren können, berichtet die IT-Sicherheitsfirma Symantec . Die Firma habe die entdeckte Schadsoftware neutralisiert, sagt Symantec-Analyst Candid Wüest, die Angreifer könnten aber noch im Besitz wichtiger Passwörter sein. Zu den Angriffszielen hätten die Betreiber von Energienetzen und Pipelines gezählt, ebenso Stromerzeuger und Technikanbieter.
Mithilfe ihrer Schadsoftware habe die Gruppe namens Dragonfly nicht nur Informationen sammeln können, sondern zum Teil auch die Kontrolle über die Technik übernommen, heißt es. Dragonfly arbeite auf professionellem Niveau und scheint in Osteuropa ansässig zu sein - Änderungen an der Schadsoftware jedenfalls seien meistens zu Bürozeiten in der Zeitzone vorgenommen worden, in der auch Moskau liegt.
Den Hackern soll es gelungen sein, ihren Softwarecode in mehrere Programme zur Steuerung von Industrieanlagen einzuschleusen. Darunter war laut Symantec zum Beispiel Software, die in Windkraftanlagen und Biogas-Kraftwerken verwendet wird. Die meisten erfolgreichen Angriffe soll es mit einem Anteil von 27 Prozent der Fälle in Spanien gegeben haben, US-Unternehmen liegen mit 24 Prozent dicht dahinter. Deutschland betreffen sieben Prozent der Vorfälle.
Ein Anlass, über den Schutz der Systeme nachzudenken
Die zunehmende Vernetzung der Energiebranche sei ein grundsätzliches Problem, sagt Candid Wüest. Auf viele Systeme könne über das Internet zugegriffen werden, um sie aus der Ferne zu warten. Damit könnten Systeme und Netze zwar effizienter unterhalten werden, es eröffne aber auch neue Möglichkeiten für Angriffe. Das Vorgehen von Dragonfly sei ein Anlass, darüber nachzudenken, wie sich die Systeme, aber auch die verwendeten Geräte und Computer besser gegen Angriffe schützen lassen: "Viele Hardware-Komponenten wurden nicht mit einem Fokus auf Sicherheit entworfen." Eine verschlüsselte Übermittlung der Daten sei in vielen Fällen nicht möglich.
Nach Symantec-Angaben hat die Dragonfly-Gruppe früher Luftfahrt-Unternehmen und das Militär ausspioniert. Im Frühjahr 2013 ist sie dann auf die Energiebranche umgeschwenkt. Zugang zu den Systemen verschaffen sich die Angreifer üblicherweise über fingierte E-Mails mit Links zu Schadprogrammen und infizierten Webseiten. Ein verwendetes Trojaner-Programm sei höchstwahrscheinlich von der Gruppe selbst entwickelt worden, der Quellcode eines zweiten war bereits 2010 in einem russischen Untergrundforum aufgetaucht.