"Syrian Electronic Army" Cyberattacke auf die "Washington Post"
Gebäude der "Washington Post": "Maßnahmen zur Abwehr" eines Cyberangriffs
Foto: Karen Bleier / AFPWashington - Für die Leser der "Washington Post" war es eine unschöne Überraschung. Statt auf der Website der Zeitung, landeten sie auf der Seite der Hackergruppe "Syrian Electronic Army" (SEA). Die Online-Ausgabe des Blatts wurde am Donnerstag offenbar von den Unterstützern des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad manipuliert.
Beim Anklicken einiger Artikel auf der Internetseite seien die Leser am Donnerstag rund 30 Minuten lang von dort zur SEA umgeleitet worden, hieß es in einer Erklärung, die Zeitung habe "Maßnahmen zur Abwehr" eingeleitet. Die Hacker-Attacke komme einige Tage nach einem Phishing-Angriff, der darauf ausgerichtet gewesen sei, Passwörter auszuspähen, erklärte die Zeitung weiter.
Die SEA gab über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt, dass die Gruppe über das Internetunternehmen Outbrain Zugriff auf Teile der Zeitungs-Website erhalten habe. Die Firma Outbrain twitterte am Donnerstag, dass deren Website durch die Cyberattacke vorübergehend nicht erreichbar gewesen sei. Die Firma ist ein Geschäftspartner der "Washington Post"; sie weist Leser von Blogs und Nachrichtenportalen im Internet auf Links hin, die ihren spezifischen Interessen entsprechen könnten.
Hacker der Syrian Electronic Army hatten in den vergangenen Monaten zahlreiche Medien angegriffen, darunter die Nachrichtenagenturen AFP und AP sowie der britische Sender BBC und die Wirtschaftszeitung "Financial Times". Besonders spektakulär war der Angriff auf AP Ende April: Dabei verbreiteten Hacker über das Twitterkonto der Nachrichtenagentur die Fehlinformation: "Zwei Explosionen im Weißen Haus, Obama verletzt." Die US-Börse stürzte daraufhin kurzzeitig ab.
Die "Syrische Elektronische Armee" wirft arabischen und westlichen Medien vor, "falsche Informationen" über die Ereignisse in Syrien zu verbreiten. In der Vergangenheit hatte sich die Gruppe bereits zu Hackerangriffen auf die Internetseiten von Sky News Arabia und al-Dschasira Mobile sowie auf die Seiten von Regierungen in der Region bekannt.
Vor zehn Tagen hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos die "Washington Post" gekauft. Der Deal sorgte für Verunsicherung bei den Mitarbeitern der Zeitung - aber auch für neue Zuversicht: Die Hoffnung richtet sich auf die optimistische Prognose, Bezos könne die "Post" zum digitalen Innovationsführer machen.