TechCrunch Michael Arrington will sich von AOL freikaufen
Arrington-Text bei TechCrunch: 25 Millionen Dollar für redaktionelle Freiheit
Knapp ein Jahr ist es her, dass das bekannte Tech-Blog "TechCrunch" von AOL gekauft wurde. Seither ist TechCrunch-Gründer Michael Arrington einer neuen Chefin, Arianna Huffington, verpflichtet. Die Gründerin der "Huffington Post" hatte sich zuvor selbst samt ihres Blogs von dem strauchelnden Online-Konzern einkaufen lassen, steht seither der journalistischen Abteilung von AOL vor und hat jetzt mächtig Ärger mit Arrington: Sie fordert dessen Rausschmiss. Doch Arrington wehrt sich, droht selbst mit Kündigung und pocht auf journalistische Unabhängigkeit.
Zuvor hatte Huffington von AOL-Boss Tim Armstrong gefordert, Arrington auf der Stelle aus dem Unternehmen zu werfen. Der Grund: Der Journalist hatte begonnen, auch unternehmerische Ambitionen zu zeigen. Arrington hat eine Investmentfirma namens Crunchfund gegründet, die Startup-Firmen fördern soll. Huffington fürchtet, Arrington und sein Team könnten nicht neutral über Firmen berichten, an denen Arrington über seine Firma beteiligt ist. Eine Ansicht, die den journalistischen Grundregeln entspricht.
Allerdings erklärte Armstrong zunächst, "Bei Techcruch ist das anders, die haben andere Standards" . Zwar habe man bei AOL ein traditionelles Verständnis von Journalismus, würde für "TechCrunch" aber eine Ausnahme machen. Schließlich gehe das Blog offen mit seinen Unternehmungen um. Eine andere Wahl hatte Armstrong aber wohl kaum: AOL ist mit 50 Prozent an dem 20-Millionen-Dollar-Vermögen von Crunchfund beteiligt.
Dramatische Selbstdarstellung
Huffington teilte allerdings einen Tag später mit, Arrington arbeite nicht mehr für TechCrunch . Woraufhin sich Arrington nun seinerseits mit der Aufforderung an Armstrong wandte, AOL möge ihm doch "TechCrunch" wieder zurückverkaufen , für 25 Millionen Dollar. Woher dieses Geld kommen soll, ist allerdings unklar. Der Risikokapitalgeber Arrington müsste erst selber Investoren finden, die ihm diese Summe finanzieren.
Um den Druck zu erhöhen, ließ Arrington eine seiner Edelfedern einen dramatischen Kommentar auf TechCrunch absetzen. Unter dem Titel "Das Ende" klagte MG Siegler: Alle Vorwürfe eines Interessenkonflikts seien "lächerlich", Arrington ein Ehrenmann, dem dergleichen völlig fremd sei. Tatsächlich sei es AOL, das sein vor einem Jahr gegebenes Versprechen der journalistischen Unabhängigkeit brechen und damit auch "TechCrunch" zerstören würde.
Mittlerweile haben die theatralischen Auftritte der Beteiligten den Journalisten und Blogger Marcus Schuler bereits dazu animiert, die Vorgänge in ein "Drama mit fünf Aufzügen" zu fassen. Nicht auszuschließen, dass noch weitere Akte dazukommen.