Telekom-Flatrate Alles nur ein Marketing-Gag?
Die Ankündigung klingt viel versprechend: Alle T-Online -Kunden sollen, sofern sie wollen, schon bald zum monatlichen Pauschalpreis im Internet surfen können. Wie Telekom-Chef Ron Sommer in Berlin bekannt gab, wird die "Full Flat Rate" weniger als 100 Mark kosten und noch in der ersten Jahreshälfte eingeführt.
Ein wenig überraschend kommt das schon, hatte der Ex-Monopolist bislang doch meist argumentiert, ein Pauschalzugang sei technisch und finanziell nicht machbar. Flatrate-Verfechter wie die Initiative "Internet ohne Taktung" (IoT) begrüßen den Verstoß daher auch als "Schritt in die richtige Richtung" und als Zeichen für die technische Machbarkeit.
Ansonsten sind sie aber eher skeptisch, denn die Flatrate soll zunächst wohl nur für die Telekom-Tochter T-Online gelten. Ob der rosa Riese dieses Vorhaben durchhalten kann, bezweifeln seine Kritiker. Denn die "Full Flat Rate" werde, so IoT-Sprecher Philipp Sudholt, erst bei gleichzeitiger Änderung der so genannten Interconnection-Gebühren genehmigungsfähig.
Bislang ist die "letzte Meile", das Telefonnetz zwischen den Hausanschlüssen und den Vermittlungsstellen, noch fest in der Hand der Telekom. Um einen Internet-Zugang anbieten zu können, müssen deren Konkurrenten tief in die Tasche greifen. Rund zwei Pfennig pro Minute kassiert die Telekom an Interconnection-Gebühren.
"Das Ortsnetzmonopol der Telekom behindert die Einführung einer Flatrate", sagt daher auch AOL-Sprecher Frank Sarfeld. Der Onlinedienst, größter Konkurrent von T-Online, "geht jedoch davon aus", dass die heute "in groben Umrissen" angekündigten Telekom-Tarifmodelle, nicht nur für T-Online-Kunden gelten.
Eines ist jetzt schon klar: Sollte die Telekom das anders sehen, sind Konflikte programmiert.
Sudholt zieht für einen derartigen Fall das Telekommunikationsgesetz heran. Darin sei ein "diskriminierungsfreier Zugang" sichergestellt. Folglich müsse jeder Konkurrent die Möglichkeit haben, einen vergleichbaren Tarif anzubieten. "Schafft Ron Sommer diese Voraussetzungen nicht, muss die Regulierungsbehörde diesen Tarif verbieten", sagt Sudhoff.
Vielleicht sei es ja gerade das, was Sommer wolle, spekuliert der IoT-Sprecher: "Die Telekom könne sich dann einmal mehr in die Argumentation flüchten, sie wolle zwar, dürfe aber nicht."
Alexander Stirn