Datenschutz Telekom, Web.de und GMX machen E-Mails sicherer
1&1-Gründer Dommermuth und Telekom-Chef Obermann: Werbung für deutsche E-Maildienste
Foto: Stephanie Pilick/ dpaBerlin/Hamburg - Für Nutzer von Telekom, Web.de und GMX wird der Versand von E-Mails zumindest ein bisschen sicherer: Die Anbieter haben verabredet, die Nachrichten ihrer Nutzer untereinander über verschlüsselte Verbindungen auszutauschen. Außerdem versprechen die Unternehmen im Rahmen ihrer Initiative "E-Mail made in Germany", dass diese Daten nur in deutschen Rechenzentren gespeichert werden sollen.
Die Nachricht, dass die E-Mail-Anbieter Lavabit und Silent Mail aufgrund der Aktivitäten der NSA ihre Dienste einstellen, dürfte den PR-Abteilungen der deutschen Unternehmen prächtig ins Konzept passen. Formuliert doch sogar der bisherige Lavabit-Betreiber Ladar Levison seine Bedenken so: "Solange es keine klaren Aktionen des Kongresses oder der Justiz gibt, kann ich nur jedem dringend davon abraten, private Daten einem Unternehmen anzuvertrauen, das direkte physische Verbindungen zu den Vereinigten Staaten hat."
Telekom und United Internet, das Unternehmen hinter Web.de und GMX, nutzen die Debatte über den NSA-Abhörskandal nun für ein bisschen effektive Öffentlichkeitsarbeit. Doch was sie nun einführen werden, ist tatsächlich im Interesse ihrer Kunden.
Keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Die Technik, genannt SMTP-TLS, existiert schon länger: Große Unternehmen und Behörden sichern so den Versand ihrer E-Mails ab. Dabei müssen sowohl der E-Mail-Anbieter des Absenders als auch der des Empfängers die Technik einsetzen. Google nutzt den Standard bereits seit längerer Zeit, ebenso wie der deutsche Anbieter Posteo und einige andere.
1&1 hat den Standard bisher nicht auf allen Servern eingesetzt - das soll sich nun ändern. E-Mails, die von Web.de an Google-Nutzer geschickt werden, dürften künftig also auch beim Transport zwischen den Anbietern gesichert sein.
Kryptografie: So verschlüsseln Sie Ihre E-Mails
Wenn die Nutzer dann noch die Web-Oberfläche ihres E-Mailanbieters über https aufrufen oder in ihrem E-Mailprogramm eine gesicherte Verbindung eingerichtet haben, kann eine Nachricht bei der Übertragung nicht mitgelesen werden. Wird dann noch auf Rechenzentren in Deutschland gespeichert, wollen Telekom und 1&1 auf ihren Web-Oberflächen solche E-Mails als besonders sicher kennzeichnen.
Abhörschnittstellen bleiben
Viele kostenlose Anbieter nutzen den Standard zum sicheren Austausch untereinander jedoch noch nicht. Facebook, Microsofts Outlook.com, Yahoo! Mail und AOL Mail unterstützen nach einem Bericht von "Cnet" aus dem Juni keine eingehenden SMTP-TLS-Verbindungen . Mit diesem Dienst können Sie ausprobieren , ob Ihr Anbieter den Standard unterstützt.
Im Gegensatz zu einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der die E-Mail auf dem Computer des Absenders verschlüsselt wird und erst beim Empfänger wieder lesbar gemacht wird, liegt die E-Mail bei den Anbietern trotzdem in lesbarer Form vor - und Anbieter in Deutschland müssen Abhörschnittstellen für Ermittler bereitstellen, so wie US-Anbieter mit den dortigen Behörden kooperieren müssen.
Die Nutzung der Transportweg-Verschlüsselung ist überfällig, der Schritt von Telekom, Web.de und GMX sicherlich begrüßenswert. Doch wer auf Nummer sicher gehen will, muss darüber hinaus seine E-Mails verschlüsseln, bevor die Nachrichten den eigenen Rechner verlassen. Wie das mit kostenlosen Programmen funktioniert, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.