Terrorbekämpfung Richard Clarke soll Infowar im Internet verhindern
Washington - US-Präsident George W. Bush verstärkte am Dienstag sein Beraterteam. Er bestimmte Richard Clarke zum Sonderbeauftragten für Computersicherheit. Der Anti-Terrorismus-Experte beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema "Cybersecurity". Seit jeher warnt Clarke vor einem "digitalen Pearl Harbor". Jetzt soll er die Bemühungen um die Sicherheit der Kommunikationsnetze koordinieren und ist im Falle einer Unterbrechung auch für die Wiederherstellung verantwortlich.
Die US-Regierung prüft derzeit die Möglichkeit, ein unangreifbares internes Internetsystem für alle Behörden zu entwickeln. Das als "Govnet" bezeichnete System soll die Regierungsstellen vor Hacker- und terroristischen Angriffen schützen. Clarke hat nach einem Bericht der "Washington Post" die großen Telekommunikationsfirmen aufgefordert, ihm Vorschläge für die Schaffung eines solchen Systems zu machen.
Experten bezweifelten jedoch, dass es möglich sei, ein vollkommen abgeschottetes System zu schaffen. Es müsse Übergänge zum normalen Internet geben, und die seien nur sehr schwer abzusichern. Zudem könnten Viren auch über Disketten oder CD-Roms eingeschmuggelt werden.
Clarke erklärte dem Zeitungsbericht zufolge, die USA müssten sich vor Angriffen gegen ihre Internet-Strukturen schützen. Nicht nur Hacker und Terroristen, sondern auch feindliche Nationen könnten in einem zukünftigen Krieg versuchen, die US-Regierung durch Attacken im Cyberspace lahm zu legen.
Clarkes berufliche Karriere begann 1973 im US-Verteidigungsministerium. Dort arbeitete er als Experte für Nuklearwaffen und europäische Sicherheitsfragen. 1979 wechselte er in das US-Außenministerium und beschäftigte sich mit Fragen der nuklearen Raketenabwehr. Unter Ronald Reagan arbeitete Clarke als Beauftragter für Geheimdienste. Unter George W. Bushs Vater beschäftigte sich Clarke mit militärstrategischen Fragen. Während des Golfkriegs koordinierte er im US-Außenministerium die Mission "Desert Storm" und warb zugleich für den Aufbau einer "Sicherheitsarchitektur zu Friedenszeiten". 1992 wurde er als Terrorismus-Verantwortlicher in den Nationalen Sicherheitsrat berufen.
Dass die elektronische Infrastruktur anfällig sein würde für Angriffe, ist in den USA seit langem bekannt. Geheimdienste und Polizeiexperten haben in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand Schnüffeldienste implementiert - vom Spionagenetzwerk Echelon bis hin zum Telefon- und E-Mail-Überwachungsprogramm Carnivore.
Seit dem 11. September verstärken die USA ihre Bemühungen der Terrorbekämpfung. Die US-amerikanischen Anti-Terrorgesetze sollen zum Beispiel ausgeweitet werden, zum Entsetzen zahlreicher Bürgerrechtsgruppen. US-Regierungsstellen waren seit Jahresbeginn bereits mehrfach von Hackern angegriffen worden. Im April hatten chinesische Hacker mehrere Websites von Regierungsbehörden mit Parolen verunstaltet. Im Sommer musste die Website des Weißen Hauses vor Angriffen des Internetwurms "Code Red" geschützt werden.