Tipps 4 Xmas Öfter mal was Frisches
Die gestiegenen Produktionskosten für Video- und Computerspiele sind Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite protzen die neuen Titel mit immer detaillierterer Grafik und opulenteren Klängen, an neue Spielideen traut sich aber kaum ein Hersteller mehr heran. Man wandelt lieber auf ausgelatschten Pfaden bisheriger Bestseller.
Doch bei den technisch inzwischen veralteten Konsolen wird es immer schwieriger, noch einen drauf zu setzen. So sieht Microsofts gehypter Xbox-Shooter "Halo 2" mit seinen fad tapezierten Innenräumen kaum besser aus als Teil eins und langweilt mit plumper Dauerfeuer-Action.
Wie man es hingegen richtig macht, können sich PC-Spieler derzeit bei "Half-Life 2" anschauen. Die Entwickler haben allerdings auch sechs Jahre gebraucht, um den Figuren eine glaubwürdige Mimik beizubringen und für den Spieler einen lustigen Gravitations-Staubsauger zu basteln, mit dem er den Schergen der Militärpolizei herumliegende Gegenstände entgegenschleudert. Die Geschichte ist so überzeugend in Szene gesetzt, dass man glaubt, in einem Zukunfts-Roman von George Orwell oder H.G. Wells mitzuspielen. Ganz großes Kino.
Doch "Half-Life 2" beherbergt auch eine Innovation, die vielen nicht schmecken dürfte. So können DSL-Nutzer das Spiel innerhalb von wenigen Stunden komplett aus dem Netz saugen - ganz legal, denn der Hersteller Valve will mit seinem Service "Steam" so etwas wie ein iTunes für Computerspiele etablieren.
Man kann das Spiel auch alt hergebracht im Laden kaufen und von DVD installieren, muss aber unverständlicher Weise die Dateien noch online freischalten. Natürlich bildeten sich beim Blockbuster-Start letzte Woche lange virtuelle Schlangen vor den Servern und so mancher Analogmodem-Besitzer gab nach stundenlangen Versuchen entnervt auf und reagierte sich verbal in den User-Foren ab.
Und dann gibt es Neuauflagen, deren Vorbilder sind so alt, dass sich kaum noch jemand an sie erinnert, so zum Beispiel "Pirates" von Sid Meier. Der peppte das Handelssimulationsadventure mit Tanz- und Fechteinlagen zu einem skurrilen Mix auf, der bisherige Genregrenzen sprengt. Da kann man nur hoffen, dass Pirates nicht mangels Fokussierung Schiffbruch erleidet und an der Zielgruppe vorbeisegelt.
Ein ebenfalls hohes Risiko geht Nintendo mit seinen zweischirmigen Gameboy-Nachfolger DS ein, der über einen Touchscreen per Stift oder Daumenring gesteuert wird. Damit soll der Spieler in Jump-and-Runs beispielsweise die Plattformen selber zeichnen.
Die tolle Idee ließ die Nintendo-Aktien dank millionenfacher Vorbestellungen in die Höhe klettern. Aber auch die Orthopäden dürften frohlocken, denn die zweite Hand muss nicht nur den DS halten, sondern gleichzeitig auch das Steuerkreuz drücken, was zu unbequemen Verrenkungen führen dürfte. Bisher ist das Gerät nur in den USA und Anfang Dezember in Japan erhältlich, mit größtenteils überhastet produzierten Spielen. Europa wartet bis Ostern und freut sich dann über viele neue Spielideen. So sind Neuheiten auf dem Spielemarkt selten perfekt und leiden unter der ein oder anderen Kinderkrankheit. Wenn aber solch frische Ideen floppen, dann versauern wir bald zwischen Sims-Reihenhäusern, ewig gleichen Kriegs-Shootern und bunt bemalten Pokemons, und das will doch keiner, oder?