Tore auf Die Cebit ist eröffnet
Wie gut, dass der Verkehr so leicht fließt, wie die Polizei in Niedersachsen meldet: Der Weg zur Cebit verlief am Mittwochmorgen ohne Stau. Da konnte, wer sich sputete, noch Glück haben und einem alljährlichen, skurilen Schauspiel beiwohnen: Eine dicht gedrängte Traube von Menschen schob sich da durch die ansonsten noch immer weitgehend leeren Gänge, begleitet von Blitzlichtgewitter, Mikrofongalgen in die Luft gereckt. Mittendrin und gut versteckt im Menschenauflauf: Einer von Deutschlands viel beschäftigsten Frühaufstehern - Gerhard Schröder.
Der hat den publikumsträchtigen Pflichtlauf heute morgen gewohnt souverän absolviert: Die Ehre, eine Cebit durch Festrede und Hallenrundgang zu eröffnen, hat Schröder als Hannoveraner Landesvater wir Bundeskanzler schon so oft genossen, dass er dort Führungen anbieten könnte.
Zur Kür geriet dagegen seine gestrige Eröffnungsrede, die - anders als in früheren Cebit-Jahren - politisch deutlich über das Messegelände hinaus wies. Da überschattet das Thema Irak selbst dringend erforderliche wie vehement eingeforderte Diskussionen zwischen Wirtschaft und Politik.
Immerhin: Schröders Rede enthielt Avancen an die Adresse der IT-Branchenverbände, ohne dabei ins Detail zu gehen. Strukturveränderungen im Arbeitsmarkt hatte vorher auch schon Bitkom-Präsident Volker Jung gefordert - und setzte den Kanzler damit nicht im Geringsten unter Druck, denn im Grunde sind sich da alle einig. Eine klare Absage erteilte der Kanzler allerdings der Forderung des Branchenverbandes, sich der Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie mit ihren Pauschalabgaben auf Kopierfähige Geräte zu verweigern.
Zum Ausgleich gab es Zückerchen, und Schröder versprach die Einführung der elektronischen Signatur bis 2004: Das bedeutet Business für Hard- wie Software-Hersteller in diesem Segment und eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen für den elektronischen Handel.
E-Government als Business-Motor
Schröder: "Schon im kommenden Monat werden wir mit Partnern aus der Wirtschaft sowie mit Ländern und Gemeinden ein Signaturbündnis schließen". Ziel sei, dass von 2004 an zunächst in größerem Umfang Bankkarten mit elektronischer Unterschriftenfunktion für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt werden können. Politik und Wirtschaft würden sich dafür auf ein System verständigen, das elektronische Unterschriften universell verwendbar mache. Die nächste Generation von Bankkarten mit elektronischer Signaturmöglichkeit werde auch das Online-Banking von zu Hause aus oder Einkäufe über das Internet sicherer machen, sagte der Kanzler.
Auch sonst setze der Staat auf die Förderung der "Verchippung" aller Lebensbereiche: Allein mit der elektronischen Patienten-Chipkarte für bundesweit 70 Millionen Menschen, die im Zuge der geplanten Gesundheitsreform eingeführt werde, ließen sich jährlich eine Milliarde Euro im Gesundheitswesen einsparen, sagte Schröder.
Die Branche hört sowas gern, denn in den letzten zwei Jahren wurde sie arg gebeutelt. Noch rund 6500 Aussteller aus 69 Ländern - und damit fast 20 Prozent weniger als im Vorjahr - präsentieren an den kommenden acht Tagen ihre neuesten Produkte.
Zentrale Themen der Cebit, zu der rund 600.000 Besucher erwartet werden, sind die mobile Datenübertragung und der neue Mobilfunkstandard UMTS, auch, wenn Unterhaltungselektronik wie Heimkinosysteme oder auch das Thema WLAN in der Publikumsgunst wohl erheblich höher rangieren dürften.