Trickbetrug: Sechseinhalb Millionen Taliban-Dollar gefällig? - DER SPIEGEL
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Trickbetrug Sechseinhalb Millionen Taliban-Dollar gefällig?

Hat es wieder nicht geklappt mit dem Lotto am Samstag? Kein Problem: Korrupte Soldaten schicken Ihnen gern ein paar beschlagnahmte Taliban-Millionen. Behauptet zumindest die neueste Welle von Nigeria-Betrugsmails: Das macht Spaß, das sollte man verfilmen. Nur reagieren sollte man darauf nicht.
Taliban-Patrouille: Definitiv kein Geldtransporter
Taliban-Patrouille: Definitiv kein Geldtransporter

Taliban-Patrouille: Definitiv kein Geldtransporter

Foto: TARIQ MAHMOOD/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gute Nachrichten für alle Freunde der Nigeria-Scam-Briefe: Endlich ist Schluss mit dem Jammer-Einerlei und den ewig gleichen Geschichten über hilfsbedürftige Ex-Diktatoren, die ihre Millionen außer Landes bringen wollen, Jungfrauen und Witwen in Not, die sich von Gold und Juwelen trennen müssen, um es über die Grenze zu schaffen etc.. Man kennt die Masche inzwischen. Immer soll man nur mit ein paar Tausend Euro in Vorlage gehen, um die Millionenüberweisungen auf den Weg bringen zu können ...

Unter dem Namen Nigeria-Connection oder 419-Scam (nach dem Betrugsparagraphen im nigerianischen Strafgesetzbuch) werden heute vor allem per Spam-Mail verschickte betrügerische Zuschriften zusammengefasst, mit denen Arglosen das Geld aus der Tasche gezogen werden soll, indem man an ihre Gier appelliert. So abgenutzt die seit Jahrzehnten eingesetzte Masche oft afrikanischer Betrügerbanden auch erscheinen mag, hat sie jedes Jahr doch einige Male Erfolg, kostet die Opfer Millionen - und in seltenen Fällen sogar das Leben.

Reagieren sollte man also nie auf die doofen Briefe, sondern sie einfach als eine bizarre Form des Web-Entertainments verbuchen. Es gibt sie in zig Varianten. Seit einiger Zeit bringen Irak- und Afghanistan-Variationen ein wenig Abwechslung in die Betrugs-Depeschen - und die sind sogar vom erzählerischen Standpunkt aus besser.

News aus Afghanistan: Wohin mit den Taliban-Millionen?

Man nehme sich mal diese Story: Da stoßen wackere britische Terrorbekämpfer an der afghanisch-pakistanischen Grenze auf einen schwarz gestrichenen Kleintransporter. Sofort eröffnet ein Maschinengewehrschütze auf dem Dach das Feuer, worauf die taktisch überlegenen Briten zur Selbstverteidigung übergehen, die - so die Spam-Mail, die uns heute erreichte - "kein Taliban überlebt".

Doch das ist erst der Anfang dieses Betrüger-Märchens, denn im Transporter finden die tapferen Soldaten nicht nur Waffen bis zum Abwinken, nein - auch bedrucktes Altpapier in allen möglichen Währungen, darunter 16 Millionen US-Dollar. Ein logistisches, aber offenbar kein moralisches Dilemma für unsere rechtschaffenden Helden, aus dem natürlich nur wir, die Adressaten der netten Zuschrift, die Soldaten retten können: Das Geld, schreiben sie, würden sie gern "entfernen", bevor sie "die Waffen der internationalen Presse präsentieren".

Klar, da haben wir ja auch vollstes Verständnis für. Zumal wir ja immerhin 40 Prozent behalten dürfen, wenn wir den Briefschreibern dabei zur Hand gehen. Das Geld bekämen wir dann in einer stabilen Kiste zugeschickt. Das ist praktisch, das ist schön: Ein guter Plan, finden wir!

Und zur Abwechslung mal aus vertrauenerweckender, zumindest aber namentlich bekannter Quelle, denn die nette Anfrage kommt durchaus nicht von irgendeinem dahergelaufenen Zeitsoldaten: Gezeichnet ist die Mail mit "General Sir David Richards", und der war immerhin mal acht Monate lang Oberkommandierender der internationalen Truppen in Afghanistan.

Dass der sich da allerdings immer noch an der pakistanisch-afghanischen Grenze rumtreibt, hat uns dann doch ein wenig gewundert. Der Mann ist halt ein Multi-Tasker: Nach unseren letzten Informationen bereitet sich Richards gerade in England darauf vor, im Oktober zum militärischen Oberkommandierenden aller britischen Streitkräfte ernannt zu werden. Tolle Masche. Das ist mindestens so glaubwürdig, wie eine E-Mail des Papstes, dass der die Vatikan-Milliarden außer Landes bringen wolle.

Doch wenn das nicht Stoff für einen Hollywood-C-Film der "Rambo für Arme"-Klasse ist! Vielleicht mit Steven Seagal in der Rolle des Generals? Oder besser noch mit Ralf Möller ("Hai-Alarm auf Mallorca") oder - wie erschaudern vor Vorfreude - vielleicht sogar mit Chuck Norris ?

pat

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