Ulla Schmidt "Jein" zur Internet-Apotheke
Berlin - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) übt sich im Seiltanz. Sie sieht das bisher strikte deutsche Verbot des Versandhandels mit Medikamenten im Internet als nicht länger haltbar an. Von den Niederlanden oder anderen Nachbarländern würden heute schon "Internet-Apotheken" mit Kurieren in die Bundesrepublik liefern und damit das Verbot umgehen. Man könne nicht "eine Mauer um Deutschland" errichten, sagte Schmidt dem Sender n-tv.
Für die Apotheker ist das eine Provokation, die wirtschaftliche Überlebensängste anrührt. Die Faustregel: Medikamente sind hier teuer, jenseits der Grenzen billig. Das ist schön für den Kunden und noch schöner für die ständig über Engpässe klagenden kranken Kassen - aber ziemlich bedrohlich für den Apotheker an der Ecke.
Das weiß auch Schmidt und verbindet ihr "lautes Nachdenken" mit deutlichen Friedensangeboten an die streitbare Klientel der Apotheker. Gemeinsam mit ihnen will die Ministerin überlegen, "wie man reagiert".
Dabei müsse berücksichtigt werden, dass die Apotheken in Deutschland den gesetzlichen Auftrag haben, jederzeit die notwendigen Medikamente für Patienten bereit zu halten. Kommt nach dem Kohlepfennig demnächst der "Apothekerpfennig" für jede Online-Bestellung, die an einer heimischen Apotheke vorbeigeht?
Dem von den Apothekern immer wieder vorgebrachten und berechtigten Argument, beim Online-Versandhandel sei die Sicherheit des Verbrauchers nicht gewährleistet, versucht Schmidt mit der Versicherung zu begegnen, dass der Verbraucherschutz bei einer Neuregelung natürlich Priorität habe. Man müsse den Menschen sagen: "Seid vorsichtig, was ihr euch bestellt."
Die Diskussion um Medikamente aus dem Internet schwelt seit Monaten. Schon Schmidts Vorgängerin Andrea Fischer hatte sich vorsichtig positiv zur Möglichkeit des kostengünstigen Bezuges von Medikamenten per grenzüberschreitendem Versandhandel geäußert. Während der Fall der Internet-Apotheke DocMorris mehrere Male vor deutschen Gerichten landete, waren im letzten Jahr einzelne Krankenkassen vorgeprescht und hatten sich bereit erklärt, Medikamentenbezug aus dem Ausland finanzieren zu wollen.