Ulm gegen Iran 0:6: Gerupfte Spatzen - DER SPIEGEL
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Ulm gegen Iran 0:6 Gerupfte Spatzen

Showdown für das letzte deutsche Team in der Europäischen Meisterschaft im Robocup. Im Halbfinale treffen die Ulmer Spatzen auf Sharif Iran - den amtierenden Weltmeister. Doch die Deutschen können den Champion nicht stoppen.
Von Robocup-Team, Amsterdam
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Anstoss - und sofort verkeilen sich ein deutscher und ein iranischer Roboter ineinander. Der iranische Fighter wagt einen Rückpass und gewinnt den Ball. Es folgt eine der berüchtigten Tempo-Attacken der Iraner: Unaufhaltsam umrundet ein Stürmer die Ulmer Spieler und versucht sich in Schussposition zu bringen.

Der Ulmer Keeper verläßt sein Tor und - nimmt ihm den Ball ab! Das hat man hier noch nicht gesehen. Doch nur Sekunden später hat der iranische Spieler den Ball zurückgewonnen, umfährt drei Ulmer Robots - und schießt den Ball ins völlig freie Tor! 1:0 für Iran in der dritten Minute. Der Champion scheint zu schnell für die zuverlässigen, intelligenten Ulmer Roboter.

Erneute Attacke, und der Ulmer Torhüter kommt zu einer seiner Paraden, mit denen er schon in vorhergehenden Spielen immer wieder proitiv auffallen konnte. Zurück zur Mitte, und von dort wieder aufs deutsche Tor. Und wieder hält der Torhüter, der sich öfter und schneller zu bewegen scheint als seine Stürmerkollegen. "Volley" schießt er den Ball bei Berührung ins Nirgendwo.

Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Wieder kommt es zu einem Robotauflauf: Mehrere Ulmer und ein iranischer Roboter stehen sich gegenseitig im Weg. Ein iranischer Stürmer nutzt die Chance - und läßt das Leder erneut im deutschen Tor verschwinden.

Doch die Spatzen müssen noch weiter leiden. Zweimal in Serie lassen sie sich von den weit schnelleren iranischen Robotern den Ball abnehmen, die ihre Chancen konsequent nutzen. Wenn so ein Panzer einmal rollt, dann hält ihn nichts mehr! Zwei Tore in Serie folgen in nur einer Minute - keine Chance für Ulm.

Zwei weitere Attacken kann der Spatzen-Keeper abwehren - eine Chance hat er allerdings nur, wenn die Iranis über die Flügel kommen. Das Stellungsspiel des Keepers ist Spitze, aber wenn sie gerade durch die Mitte spielen, dann sind die iranischen Weltmeister einfach zu schnell. Bitter, bitter: Es sieht nicht gut aus für Ulm. 4:0 führt Iran zur Halbzeit.

Zweite Hälfte: Wehrt Euch, Spatzen!

Anpfiff - und es beginnt nach dem bekannten Muster: Die Ulmer geraten direkt direkt in die Defensive, Iran greift an, schießt - und wieder rettet der Torwart die Situation!

Das wäre ein unschlagbares Team: Irans Stürmer kombiniert mit den Ulmer Torhütern. Die Abwehrarbeit der Ulmer ist unübertroffen, was sie direkt wieder unter Beweis stellen können. Wieder stoppt der Torhüter eine Attacke der aggressiven iranischen Stürmer. Der nächste Versuch endet in der "Zange" zwischen zwei Ulmer Verteidigern.

Aber es geht weiter, und es scheint, als läge hinter dem Ulmer Tor ein Magnet, der den Ball unwiderstehlich anzieht. Wäre dort nicht der Torhüter: Ein-, zwei-, dreimal wehrt er den Angriff ab - und dann landet der Ball doch wieder zum 5:0 im deutschen Tor. Sechs Minuten vor Spielende ist klar, wie hier der Gewinner heißen wird. Bleibt die Frage, ob den Ulmern noch ein verdientes Gegentor gegönnt sein wird.

Doch der Ball rollt kaum jemals in die iranische Hälfte. Eine Minute nach dem fünften folgt das sechste Tor: Irans Stürmer scheinen wirklich unaufhaltsam. So intelligent die Ulmer Roboter agieren - ihnen fehlt es in den Beinen. Den Iranern nicht. Sie gleichen lechte Defizite im Oberstübchen, die ihnen nur einige wenige, aber hoch effeziente Grundzüge erlauben, durch Schnelligkeit und Präzision aus.

Immer wieder erntet Ulm Szenenapplaus für die fantastische Abwehrarbeit des Teams. Doch alle Mühe ist umsonst, unaufhaltsam tickt die Uhr die letzten Sekunden. 32 Sekunden vor Spielende eine erneute Attacke der Iraner die wieder nur vom Keeper gestoppt werden kann. Schlusspfiff, Iran ist im Finale!

Es kommt zum Showdown zwischen Iran und Italien - wie schon bei den Weltmeisterschaften in Stockholm!

Das effizientere Team gewann das Spiel, Ulm erntete Achtungspunkte und die Anerkennung des fachkundigen Publikums. Die Spatzen spielen nun gegen Isocrob Portugal um den dritten Platz. Es wäre traurig, wenn die lustigen Vögel aus Ulm hier nicht noch einmal glänzen könnten. 6:0 für Iran gegen Ulm - ein Ergebnis, wie es klarer kaum sein könnte, und doch wird es den Ulmern nicht gerecht. Zurück ins Studio.