Umstieg: Flock trennt sich von Firefox, setzt auf Chrome - DER SPIEGEL
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Umstieg Flock trennt sich von Firefox, setzt auf Chrome

Der auf Social Networks spezialisierte Webbrowser Flock gilt als einer der größten unter den Kleinen. Flock ist kein eigenständiger Browser, sondern eine Art Tuning-Version eines zugrundeliegenden Programms. Bisher war das Firefox, ab sofort ist es Googles Chrome - ein Zeichen der Zeit?
Flock: Setzt künftig auf Chrome als Programmbasis
Flock: Setzt künftig auf Chrome als Programmbasis

Flock: Setzt künftig auf Chrome als Programmbasis

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit der von der EU-Kommission verordneten Aktion Browser Choice, die Microsoft seit März 2010 verpflichtet, neben dem Internet Explorer auch Konkurrenzprodukte zur Auswahl anzubieten, verbanden die Entwickler kleiner Browser große Hoffnungen. Die haben sich bisher nicht erfüllt: Weder Opera, noch Safari haben seit Einführung der Browser Choice groß zulegen können - von noch weniger bekannten Browsern ganz zu Schweigen.

Das gilt auch für Flock , den sogenannten Social Browser. Die für die Nutzung diverser Social Networks optimierte Software erfreut sich zwar eines gesunden Nischendaseins, aber einer nur langsam, wenn auch immerhin messbar steigender Popularität: Flock gilt nicht nur als ein Großer unter den Kleinen, sondern auch als solides Produkt mit echten Alleinstellungsmerkmalen. Rund 17 Millionen Mal soll er heruntergeladen worden sein, die aktive Nutzerschaft wird auf eine Größenordnung um fünf Millionen geschätzt, Net Applications sieht Flock aktuell bei 0,07 Prozent Weltmarktanteil (siehe Grafik).

Das reicht auf Dauer natürlich nicht - im Vergleich mit den Marktgrößen ist Flock ein Zwerg. Und das, obwohl Flock bisher auf dem populären Firefox fußte, der an Alternativbrowsern interessierten Community also durchaus nah und vielen ein Begriff war. Entgegen noch kürzlich geäußerter Versicherungen des Flock-Chefs Shawn Hardin ist das ab Programmversion 3 nun Vergangenheit: Ab sofort setzt Flock auf ein anderes Pferd, sattelt auf Googles Chrome auf.

Verbunden damit wird Flock Chrome-typisch abgespeckt: Es gibt nun deutlich weniger Navigationselemente und Direkt-Zugriffsmöglichkeiten auf soziale Dienste und Funktionen. Nach wie vor gibt es die Direktverbindungen und -rückmeldungen aus den großen sozialen Networks, bei denen man Mitglied ist. Weggefallen sind dafür einige Blog-Funktionen.

Viel signifikanter aber ist die Signalwirkung des Umsattelns: Hardin erklärte öffentlich, dass er sich von dem Umstieg auf Chrome mehr Popularität für Flock erhofft. Sein selbst gestecktes Ziel für das nächste Jahr: Ambitionierte 70 Millionen Downloads.

Deutlicher kann man kaum klarmachen, an wem man seine Hoffnungen aufhängt. Tatsächlich verzeichneten die Statistiken des Marktforschungsunternehmens Net Applications in den letzten Monaten erstmals seit Veröffentlichung des Firefox-Browsers stagnierende, sogar leicht rückläufige Verbreitungszahlen des Community-Browsers. Nutznießer dieser Entwicklung ist vor allem Googles Chrome, der offenbar nicht nur Microsofts Internet Explorer Marktanteile abnimmt, sondern auch dem Open Source Browser Firefox, den Google selbst über all die Jahre personell und finanziell unterstützte. Hardin hängt mit dem Umstieg seine Fahne also in den Wind, was auch bei Fans des Flock-Browsers nicht nur auf Applaus trifft: Gerade das Abspecken der Funktionsfülle erscheint manchem kontraproduktiv.

pat