Umstritten Mehr Gewalt durch Computerspiele?
Nürnberg - "Doom" und "Quake" stehen auf dem Index. Sie sind in Deutschland verboten. Über den Zusammenhang von Gewalt und Medien zerbrechen sich Fachleute bereits seit langem die Köpfe, nicht erst seit dem Massaker im amerikanischen Littleton oder der Schießerei im deutschen Bad Reichenhall.
"Wir dürfen erst indizieren, wenn die Produkte auf dem Markt sind", erklärte die Vorsitzende Elke Monssen-Engberding bei der Jahrestagung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. Vor einem Verbot sind allerdings häufig bereits Zehntausende Exemplare eines Spiels verkauft worden. Im Fall des blutigen Spiels "Quake III" waren es 120.000. Die Prüfer erwischen nur die Spitze des Eisberges. "Die Spielfreaks wissen natürlich vorher, wann welche Extremspiele rauskommen, und die Verleger sind clever genug, die Erstauflage so hoch zu bemessen, dass es trotz Indizierung in der Kasse klingelt", so Jürgen Hilse, Leiter der nordrhein-westfälischen Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz.
Viele Spiele werden allerdings auch illegal über Raubkopien verbreitet. Auch wenn der Reiz, das Spiel zu bekommen, oft sogar größer ist, wenn es durch die Behörde verboten wurde, so diene ein Verbot zumindest als Signal für die Hersteller, glaubt Jugendschützer Hilse. Ein Vorgehen gegen solche Spiele per Indizierung sei daher auf jeden Fall sinnvoll. Am effektivsten könnten allerdings Eltern ihre Kinder vor den Folgen von Gewalt verherrlichenden Spielen schützen. So sollten sich Eltern nach Einschätzung der Experten auch viel häufiger in den Alltag ihrer Zöglinge einmischen. Denn die Wirkung solcher Spiele hänge auch vom familiären Umfeld und der Zeit vor dem Bildschirm ab. "Je realer und glaubwürdiger ein Spiel ist, umso eher findet eine Übertragung in die Wirklichkeit statt", sagte Sozialpädagogin Heike Esser. Ein Negativbeispiel seien die so genannten Ego-Shooter, bei denen der Spieler quasi selbst zum Akteur wird. Szenerie, Waffen und Geräusche wirkten sehr realistisch.
Die Frage, ob mediale Gewalt Nachahmungen induziert, ist jedoch alles andere als unumstritten. Die verschiedenen Theorien über den Zusammenhang von Medien und Gewalt widersprechen sich in hohem Maße.