Uno-Warnung: "Internetapotheken steigern Umsatz von illegalen Drogen" - DER SPIEGEL
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Uno-Warnung "Internetapotheken steigern Umsatz von illegalen Drogen"

Nicht überall, wo Apotheke drauf steht, ist auch Apotheke drin: Über das Web verschickt so mancher windige Versender Wirkungsloses, falsch deklarierte oder illegale Drogen. Die wachsende Zahl illegaler Web-Apotheken ist dem Uno-Suchtstoffkontrollrat eine dringende Warnung wert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"International Narcotics Control Board" oder kurz INCB nennt sich eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, die alljährlich einen Bericht zur Lage im Krieg gegen den Drogenschmuggel vorlegt. In diesem Jahr geht es dabei nicht nur um Paramilitärs, Mafiosi oder Despoten, die ihre Organisationen oder maroden Regime mit Mohnproduktschmuggel finanzieren - es geht ums Internet. "Internetapotheken", so die Überschrift der Presseverlautbarung zum aktuellen INCB-Bericht, der heute vorgelegt wird, "steigern Umsatz von illegalen Drogen".

Denn genauso sieht das aus: Das Gros der Umsätze, die von illegal betriebenen Web-Apotheken verbucht werden, entfällt auf den Handel mit Psychopharmaka, Narkotika, mit Rauschdrogen oder verschreibungspflichtigen, starken Medikamenten.

Die Gründe, Medikamente oder Drogen über das Internet zu beziehen, sind vielfältig, die Übergänge fließend: Das reicht von der reinen "Schnäppchenjagd" über den Bezug von in einem bestimmten Land illegalen starken Schmerzmitteln bis zur Befriedigung von Suchtbedürfnissen. Doch selbst der Kauf bekannter Medikamente über illegale Apotheken bedeute für die Käufer ein erhebliches Gesundheitsrisiko: "Der Verbraucher erhält Medikamente von schlechter Qualität und weiß nicht, was darin steckt", warnt INCB-Präsident Hamid Ghodse.

Das gilt vor allem für Kunden in den so genannten Entwicklungsländern: Gerade dort besorgen sich Menschen oft und gern Medikamente, die sie sich legal erworben nicht leisten können, über das Internet oder über lokale Schwarzhändler. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 25 Prozent aller in den Entwicklungsländern verkauften Medikamente Fälschungen, in einigen Ländern - wie beispielsweise Nigeria - liegt die Produktpiraterie-Rate bei über 50 Prozent.

Wie viele Menschen jeden Tag darum an Malaria oder vorzeitig an Aids sterben, weil eine erhoffte Medikamentenwirkung schlicht ausbleibt, weiß kein Mensch. Wohl aber weiß die WHO, wie es um die Qualität gefälschter Medikamente steht: Gerade einmal sieben Prozent enthielten die versprochenen Wirkstoffe in der richtigen Dosierung, 17 weitere Prozent enthalten zwar den Wirkstoff, aber nicht in ausreichender Menge. Über 60 Prozent seien komplett wirkungslos, der Rest sei noch schlimmer: Im besten Fall enthalte er nur falsche Substanzen, im schlimmsten Fall giftige.

Die Kunden scheint das nicht abzuschrecken, und mit dem Internet-Handel schwappt die Welle mieser Medikamente von der so genannten Dritten Welt in die Industrienationen.

Bei den häufig gehandelten Substanzen gehe es um "bestimmte Opioide (z.B. Oxycodon), Aufputschmittel (Amphetamine) und Benzodiazepine (z.B. Alprazolam und Diazepam) - aber auch um Substanzen wie Fentanyl und Secobarbital, die, wenn sie nicht unter entsprechender ärztlicher Überwachung eingenommen werden, zum Tod des Konsumenten führen können".

Drogenversand mit geringem Risiko

Das Problem, betont das INCB, sei kein profanes: Jedes Jahr würden mittlerweile "mehrere Milliarden Dosen" im Jahr über das Internet verkauft. Dies bedeute nicht nur eine große, mitunter tödliche Gefahr für die Konsumenten der illegal vertriebenen Medikamente und Drogen, sondern auch, dass illegale Internetapotheken "den Platz der traditionellen Drogenhändler" übernähmen.

Kein Wunder, erscheint das Web-Versandgeschäft doch weit risikoloser: Per Massenaussendung ("Spam") erreicht die Pharmaka-Werbung ihre Adressaten. Die "Apotheken" dahinter betreiben ihre Server mit Vorliebe aus Ländern, die wenige Rechtshilfeabkommen mit anderen Ländern verbinden und die an der Offenlegung der Identitäten ihrer Internet-"Gäste" nicht gelegen ist: Ausdrücklich mahnt der Bericht hier Pakistan zu mehr Verantwortung und Aufsicht über seine Internet-Apotheken. Der Versand der Drogen und Medikamente ist international koordiniert und verschaltet, die Rückverfolgung der Bestell- und Versandwege oftmals eine detektivische Aufgabe.

Entsprechend fordert das INCB mehr internationale Zusammenarbeit der Aufsichts- und Fahndungsbehörden ein. Neben illegalen, gefälschten oder wirkungslosen Medikamenten boomten derzeit auch Produktion und Verkauf harter Drogen.

Wie es in dem Bericht der Suchtbehörde weiter heißt, bedrohe der internationale Drogenhandel die Stabilität in Afghanistan und behindere die Entwicklung im Irak. Die Drogenproduktion in Afghanistan habe 2004 trotz aller Bemühungen der neuen Regierung in Kabul einen neuen Höchststand erreicht. Im Irak hätten die Drogenhändler von dem Machtvakuum nach dem Sturz Saddam Husseins profitiert. "Die komplexe Verkettung von Terrorismus, organisiertem Verbrechen, Korruption und Drogenhandel stellen eine beispiellose Gefahr dar und wecken die Befürchtung vor einer weiteren Verschlechterung der Gesamtsituation", warnt der Bericht.

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