Unternehmensberatung Kienbaum: Verirrt in Mülheim - DER SPIEGEL
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Unternehmensberatung Kienbaum Verirrt in Mülheim

Wenn Kienbaum kommt, gehen vielen Menschen die Nerven durch. Normalerweise beschäftigen sich die Experten der Berliner Unternehmensberatung damit, Firmen auf den Kopf zu stellen. Jetzt unterzogen sie die Websites der Kommunen einem rigorosen Test - mit kuriosen Resultaten.
Von Niels Gründel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Studie "Kommunale Wirtschaftsförderung deutscher Städte im Internet" wagten die Wirtschaftsprüfer von Kienbaum-Consultants  einen virtuellen Ausflug in das ansonsten ruhige Mülheim an der Ruhr zwischen Duisburg und Essen: "Ungenügend" mit nur "14 Punkten" hieß das vernichtende Urteil von der Spree. Die Lokalpresse meldete prompt: "Wifö auf dem letzten Platz".

Doch, kaum zu glauben, die Profis von Kienbaum hatten sich in der virtuellen Welt mit ihren vielen Bits und Bytes verirrt und waren auf der falschen Web-Site gelandet, nämlich der eines Privatmanns. Die offizielle Seite der Stadt Mülheim lautet "www.muelheim-ruhr.de ". Kienbaum hatte die Adresse "muelheim.de " gewählt und beurteilt. Besonders pikant: Obenauf steht eine Firmenadresse und weiter unten findet sich sogar der deutliche Hinweis, dass "muelheim.de nicht in öffentlicher Hand ist".

Von Rufschädigung spricht man nun in Mülheim an der Ruhr und denkt laut über rechtliche Schritte gegen die renommierte Berater-Company nach.

Dass die Bewertung von Mülheim an der Ruhr in ihrer ursprünglichen Form hinfällig ist, hat man auch bei Kienbaum eingesehen. "Eine Verbreitung der eigentlichen Studie hat bisher nicht stattgefunden", begrenzt Paul Kötter den Schaden für sein Unternehmen. Und "nachdem der Fehler bekannt wurde, haben wir Mülheim an der Ruhr direkt aus dem Städte-Ranking im Internet herausgenommen und die Studie korrigiert."

"Zu wenig", kontert Stefan Zowislo, Leiter des Kommunikationsamtes der Stadt, "denn es liegt doch auf der Hand, dass der Ansehensverlust der Stadt gerade bei jungen und investitionsfreudigen Unternehmen immens ist."

Ein schwacher Trost für die Mülheimer Wirtschaftsförderer: In der "Nachuntersuchung" hat Kienbaum der "Stadt am Fluss" den fünften Platz von insgesamt 50 zugestanden.

Abzüge gab es auch diesmal: dafür nämlich, dass die Web-Adresse "muelheim-ruhr.de" und nicht "muelheim.de" heißt! Soll die Stadt nun resignieren oder sich umbenennen? Schließlich heißt sie offiziell nun einmal Mülheim an der Ruhr.