Urteil: Hausarrest für den Hulk-Kopierer - DER SPIEGEL
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Urteil Hausarrest für den Hulk-Kopierer

Kerry Gonzalez ist ein populärer Mann unter den Fans von Comic-Verfilmungen. Wochen vor dem Kinostart verbreitete er eine Kopie des "Hulk" über die P2P-Börse KaZaA. Jetzt wurde er dafür verurteilt.
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Der 25-jährige Kerry Gonzalez ist ein lebendes Indiz für eine These, bei der die Verantwortlichen der Filmindustrie reflexhaft zucken und "Stimmt nicht!" rufen: Dass nämlich rund 80 Prozent aller Film-Raubkopien von Industrie-Insidern verbreitet werden. Ende letzter Woche wurde Gonzalez zu drei Jahren Haft auf Bewährung und sechs Monaten Hausarrest verurteilt.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf diese so weit verbreitete Form der Kriminalität. Gonzalez brach Recht, ohne etwas davon zu haben. Seine Motive? Die müssen irgendwo im Drang zum Daten-Teilen zu suchen sein. Selbst den Nutznießern seiner Kopieraktion wurde er ja erst bekannt, als die Polizei ihn verhaftet hatte.

Die Kopie hatte Gonzalez nicht viel Mühe gemacht. Er erhielt die Vorab-DVD von einem Freund, der sie wiederum von einem Kumpel geliehen bekam, der bei einer Werbeagentur angestellt war. Der hatte frühzeitig eine Vorversion des Hulk erhalten, um daraus Werbespots zu stricken. Den längsten Werbespot lud dann Gonzalez ins KaZaA-Netzwerk: Den vollständigen, aber noch nicht zu Ende produzierten "Hulk"-Film.

Die Fans freute das, der Fall machte Schlagzeilen. Waren frühere Fälle von wirklich frühzeitigen Vorab-Veröffentlichungen ("Star Wars", "Spiderman" und andere) zumeist entweder Halluzinationen von Medienvertretern oder Fahndungsbehörden entsprungen oder aber so schlecht, dass sie wirklich nur noch als Werbung für den Originalfilm verstanden werden konnten (unvergessen z.B. "Minority Report" in der Handycam-Version mit Hust-, Knister-, Kaugeräuschen und koreanischen Untertiteln), glänzte der Hulk nahezu perfekt.

Filmgenuss mit Macken

Zwar fehlten dem Film zahlreiche Tonspuren und -spezialeffekte (so schrie der Hulk oft lautlos), zwar fehlte dem Hulk noch so manches Hautdetail und in manchen Szenen auch schon mal die Hose, aber gerade das machte den ansonsten weit gehend hirnlosen Streifen erst genießbar. Die Filmindustrie mag durch Gonzalez also wirklich unmittelbar geschädigt worden sein.

Das sahen auch die Richter so und verdonnerten ihn zusätzlich zu Freiheitsstrafen und Geldbuße noch zur Auffüllung der Kaffeekasse des Entertainment-Riesen Universal um 5000 Dollar.

Wer ob solcher Summen glaubt, es ginge also um Bagatellen, kann sich durch Pressemitteilungen von Universal und der Film-Lobbygruppe Motion Picture Association of America (MPAA) eines Besseren belehren lassen.

Abschreckung, bevor Filmtauschen zum Riesenproblem wird

"Der Ausgang dieses Verfahrens ist eine deutliche Botschaft an jeden, der geistiges Eigentum stiehlt oder missbraucht, indem er es ins Internet stellt oder es herunterlädt", hieß es markig in einer Mitteilung von Vivendi Universal Entertainment. Auch für die Lobby der US-Filmindustrie macht das Urteil "klar, dass es ernste und dauerhafte Konsequenzen für diejenigen gibt, die Filme stehlen".

Denn den Filmfirmen ist es ernst mit der Bekämpfung der aufkeimenden Film-P2P-Szene. Schon im letzten Jahr, behauptet die MPAA, hätten Raubkopien die Industrie um rund vier Milliarden Dollar gebracht. Allerdings berechnet sie diesen Verlust als Verkaufsausfall im DVD-Markt und berechnet so für jede Raub-CD und jeden Internet-Download eine Schadenssumme von 28 bis 35 Dollar. Das ist zwar wenig realistisch, aus Industriesicht aber durchaus bedrohlich: es wird wirklich eine Menge geraubt und getauscht.

Peinlich, dass eine aktuelle Studie der AT&T-Labs vor wenigen Wochen implizierte, dass vor allem Industrieinsider für die Verteilung der Filme sorgten. Offiziell wird das abgestritten, inoffiziell mit Unmut quittiert. Schon sollen sich Filmproduktionsfirmen verwehrt haben, in der kommenden Saison Vorab-DVDs ihrer Filme an die tausende Oscar-Juroren zu verschicken: Sie gelten als eines der größten Lecks - und der P2P-Gemeinde als Quelle von Film-Vorabs in phantastischer Qualität. Noch vor ihrem Kinostart waren so "Bowling for Columbine" und "Monsters Ball" im Web zu "sehen" - was zumindest für den Filmgeschmack der Dateitauscher spricht.

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