US-Wahlkampf virtuell: "Ehre! Loyalität! Sturmtruppen!" - DER SPIEGEL
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US-Wahlkampf virtuell "Ehre! Loyalität! Sturmtruppen!"

Noch ist die US-Wahl nicht enschieden. Zu den Konkurrenten von Bush und Gore zählt auch Darth Vader - möglicherweise mit Chancen, schließlich hat er Kopfgelder auf seine Konkurrenten ausgesetzt. Im Web tobt der Wahlkampf der "fake candidates".
Von Fiete Stegers
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Rennen um die US-Präsidentschaft machen die Herrren Bush & Gore unter sich aus. Dass außer ihnen noch der grüne Verbraucheranwalt Ralph Nader kandidiert, ist in Europa zumindest teilweise bekannt. Aber ins Oval Office streben noch ganz andere - dank Witzbolden mit Webdesign-Kenntnissen.

Zum zweiten Mal schon buhlen die US-Präsidentschaftskandidaten nicht nur in TV-Spots und Rededuellen um die Wählergunst, sondern sammeln auch über das Netz Stimmen, Freiwillige und Spenden. Damit sind die Favoriten der beiden großen amerikanischen Parteien nicht allein: Yahoo USA zählt über vierzig "fake candidates"  auf, die gegen Republikaner und Demokraten antreten wollen. 1996 waren es gerade zehn.

Im Jahr 2000 kommt im Netz die schärfste Konkurrenz für Al Gore und George W. Bush aus weit entfernten Galaxien: Welchen Chance haben sie schon gegen den Weltraum-Fiesling Darth Vader  aus "Star Wars", der auf seiner Website mit Slogans wie "Ehre! Loyalität! Sturmtruppen!" wirbt und sich in zahlreichen Presseerklärungen unter anderem als "einfühlsamen Vater" beschreibt? Keine, zumal Lord Vader - das ist sich ein Erzschurke schuldig - selbstverständlich auf seiner Homepage bereits Kopfgelder auf die Gegenkandidaten ausgesetzt hat.

Ernstzunehmende Gegner für den schwarzen Lord sind Gore und Bush nicht. Eher fürchten muss er einen alten Feind aus "Star Wars"-Zeiten: Han Solo alias Harrison Ford . Die ihm gewidmete Homepage gibt sich im Design bescheiden. Seine Unterstützer bauen auf die Kraft ihrer Argumente: "Wir brauchen einen Präsidenten, der für Integrität steht und immer noch gut aussieht, auch wenn er sich eine Woche nicht rasiert." Auch die Minderheiten repräsentiert Ford ihrer Meinung nach perfekt, wenn er gemeinsam mit seinem felligen Alien-Kumpanen aus "Star Wars" antritt: "Der erste Wookie-Vizepräsident".

Ebenfalls die Außerirdischen bedienen wollen die Parteigänger von "Admiral Ackbar ", einem dritten "Star Wars-Charakter" im Rennen um die Präsidentschaft. Im Film spielt der fischköpfige Außerirdische zwar nur einen Nebenrolle - als US-Präsident sei er das perfekte Symbol gegen Fremdenfeindlichkeit, rühren seine Fans die Trommel. Dass trotz Alien-Abstammung viel Ur-Amerikanisches in Ackbar steckt, beweist die Homepage mit Grafiken, die die offensichtlichen Ähnlichkeiten zwischen dem Fischkopf und den amerikanischen Ikonen John Wayne und Homer Simpson dokumentieren.

Andere wüschen sich Bill Gates  ins Weiße Haus: Der Microsoft-Mastermind sei der richtige Mann fürs Informationszeitalter. Die Macher der Gates-Website bieten sogar ein entsprechendes T-Shirt an. Aber auch weniger prominente Hobby-Politiker haben sich übers WWW in den Präsidentschaftswahlkampf eingeschaltet: Paul Chomicki , von Beruf angeblich Supermarktangestellter, setzt auf Ehrlichkeit: Er bekennt auf seiner Wahl-Homepage, mehrfach sitzen geblieben zu sein.

Mit einer ausführlichen Vita ausgestattet ist auch Andrij Witiuk , dessen Kandidatur nicht nur von einem einzelnen Witzbold unterstützt wird, sondern das Männer-Magazin "Maxim" im Rücken hat. Entsprechend professionell sind Witiuks Wahlseiten: Sogar einen Wahlkampfvideo hat er vorzuweisen - inklusive junger Damen im Sternenbanner-Bikini.

Eine Karriere als Gouverneur von Samoa, Comiczeichner, Drogenschmuggler und Party-Organisator für Jesse Ventura qualifizieren nach eigenen Angaben einen weiteren Kandidaten für das höchste Amt der USA: Duke , eine Comicfigur aus der Feder von Kult-Zeichner Garry Trudeau. Für Unterstützer der Kampagne gibt es einen Fragebogen, der sich nach den bevorzugten Drogen und eventuellen Nacktfotos der Freiwilligen erkundet.

Die saubere Seite des Wahlkampfs verkörpert das All American Girl Jackie Strike : Ihre Homepage steht denen der offiziellen Kandidaten in nichts nach, inklusive einer Version "en español". Sogar ein Interview für CNN gab Jackie Strike schon. Dabei liegen ihre Wurzeln auf der anderen Seite des Atlantiks: Sie ist ein animierter Avatar von vier deutschen New Media Firmen.