USA: Erstes Gesetz gegen Schnüffel-Software - DER SPIEGEL
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USA Erstes Gesetz gegen Schnüffel-Software

Spyware ist ein profitables, wenn auch anrüchiges Geschäft. Immer mehr der kleinen Datenschnüffler protokollieren die Wege der Websurfer, verkaufen ihre Daten an Marketing- und Spam-Firmen. All dem will der US-Kongress nun einen Riegel vorschieben.
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Nützliche Software gibt es in zwei grundsätzlichen Varianten: teuer - und nicht so teuer. Users liebstes Kind sind Tools und Spiele, die ihn gar nichts kosten. Immer öfter aber ist das ein Irrtum: Sie kosten ihn Daten - und damit mitunter Nerven.

Denn immer mehr Anbieter kostenloser Software verbinden diese mit so genannter Spyware. Die Schnüffel-Software protokolliert Surfwege und erschnüffelt Daten, die die Anbieter dann werblich nutzen. Oft, indem sie sie an Marketingfirmen verkaufen. Das Resultat ist dann im E-Mail-Ordner zu bewundern: Universitätsdiplome im Sonderangebot, fast echtes Viagra, Penis-Verlängerungspillen, ukrainische Callgirls und was da sonst noch angeboten wird. Spyware und Spam belasten die Netze, kosten Performance und damit auch den Usern Geld.

Die Missbrauchsmöglichkeiten solcher Schnüffelprogramme gehen aber weit über bloßen Werbemüll hinaus, und nicht zuletzt darum bewegt sich was gegen die Flut der Spyware-Programme. Denn die Nutzer sind sich allzu oft nicht darüber im Klaren, was sie da eigentlich auf ihren Rechner laden.

In den USA hat soeben eine Gesetzesvorlage gegen Spyware die erste Hürde im Kongress genommen, die Annahme des Entwurfes gilt als sicher. Als erster Staat der Welt dürften die USA dann Spy- und Adware-Vertreiber dazu verpflichten, die Nutzer vor der Installation ausdrücklich auf die Natur der Software hinzuweisen. Das ist noch nicht viel, aber immerhin etwas.

In erster Lesung segnete das House Energy and Commerce Committee des Kongresses die so genannte "Securely Protect Yourself Against Cyber Trespass", kurz "Spy Act", mit 45 zu 5 Stimmen ab. Unter Strafe stellt das Gesetz, Tastatureingaben zu protokollieren oder Web-Browser zu "hijacken", um sie auf Werbeseiten umzuleiten.

Kritikern geht die Gesetzesvorlage trotzdem nicht weit genug. Ein Warnbildschirm vor der Installation genüge nicht, den PC-User hinreichend auf sein Risiko aufmerksam zu machen: Der Klick auf den "Einverstanden"-Button erfolge heute fast reflexhaft, zu wenige Konsumenten lesen wirklich, was ihnen solche Warnungen mitzuteilen haben. So müsse der Unterschied zwischen legitimen und Spyware-Programmen deutlicher gemacht werden.

Eine Kritik, die an die inzwischen üblichen Gesetze gegen Spam-Mails erinnert. Weltweit gelten in immer mehr Ländern so genannte Double-Opt-in-Klauseln, nach der die Beschickung mit Werbemails an ein doppeltes Einverständnis der PC-Nutzer gebunden ist. Auch in der EU gelten entsprechende Regeln, die zwar heimischen Werbeversendern Zügel angelegt haben, Massen-Werbeversender im Ausland aber selten interessieren. Die stellen im Zweifelsfall ihre Server in Russland oder China auf.

Zumindest sind die Zeiten vorbei, in denen man Politikern die Relevanz des Themas erst erklären musste. Am Donnerstag verabschiedete auch das neuseeländische Parlament ein Gesetz gegen Spam - ohne eine einzige Gegenstimme.

Gegen Spy- und Adware ist allerdings ein Kraut gewachsen. Zahlreiche - teils kostenlose - Programme, die regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden, versprechen Abhilfe. Nicht wundern sollte man sich allerdings, wenn diese dann bei eingeblendeter Werbung auf Webseiten Alarm schlagen: Die Adware-Filter nehmen es manchmal sehr genau. Richtig ist dagegen, dass nach der Installation eines Spyware-Blockers KaZaA und einige andere P2P-Programme nicht mehr laufen: Manche Firmen hinter der ach so freigiebigen Software machen ihr Geld mit Datenschnüffelei.