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New York - Lange Schlangen auf den Meldeämtern und an der Kfz-Zulassungsstelle: Das bedeutet auch in den USA warten, warten, warten. Doch für viele Amerikaner könnte das zermürbende Herumstehen auf tristen Gängen bald der Vergangenheit angehören - etliche amerikanische Bundesstaaten sind dabei, die Online-Registrierung zu realisieren.
"Das ist Bürgernähe", meint ein Senator in Georgia, einem der Bundesstaaten, die den Online-Service am schnellsten vorangetrieben haben. Dort kann der Kauf oder die Verlängerung von Lizenzen zum Jagen oder Fischen sowie die Erneuerung von Führerscheinen und Sportbootspatenten übers Internet abgewickelt werden.
Auf die gleiche Weise werden Pässe verlängert und Autozulassungen erteilt. Auch Baugenehmigungen können via Internet eingeholt werden. Selbst mit Strafmandaten braucht niemand mehr zur Bank oder zur Polizei zu gehen: Sie können einfach am Computer bezahlt werden.
Beispiel Pass-Verlängerung: Die Meldeämter und die Einwanderungsbehörde bekommen elektronisch mitgeteilt, welcher Pass verlängert werden soll. Im Gegenzug erhält der Antragsteller eine entsprechende Bescheinigung, die er ausdrucken und seinem Pass beilegen kann.
In Georgia bieten nicht etwa Regierungs- oder städtische Stellen diesen Service an, sondern private Organisationen. Natürlich ist der Service nicht umsonst. So wie beim Ezgov.com haben die Ämter für die ausgelagerte Dienstleistung fast überall eine Gebühr zwischen einem und fünf Dollar pro Vorgang zu bezahlen. Meist werden diese Auslagen an den Antragssteller weitergereicht.
Im US-Bundesstaat Maryland können 40 verschiedene Berufe ihre jährlich zu erneuernden Lizenzen per Internet verlängern. Dazu gehören Buchhalter, Notare und Grundstücksmakler. 40 Prozent nehmen das Internet-Angebot bereits in Anspruch. Der Staat, schätzen Experten, spart auf diese Weise jährlich 1,6 Millionen Dollar ein. Allerdings oft auf Kosten der Staatsangestellten: Viele werden entlassen.
Die Hard- und Software-Industrie dagegen jubelt: Die Auftragsbücher sind voll. Allein auf diesem Sektor dürften die Umsätze Experten zufolge von derzeit 1,1 Milliarden Dollar auf knapp fünf Milliarden Dollar im Jahre 2004 steigen. "Dieser neue Markt ist ein Stück elektronisches Wildwest", meint James Macaulay vom Analyse-Institut Dataquest.
Auch der Gang zur Wahlurne könnte bald wegfallen. Die Regierung Clinton hat eine Studie über die Möglichkeit der Internet-Präsidentenwahl bei der National Science Foundation in Auftrag gegeben. Die Demokratische Partei in Arizona ist sogar schon einen Schritt weiter: Bei den Vorwahlen zur Kür eines Präsidentschaftskandidaten am 11. März können Interessierte bereits im Internet abstimmen.
Allerdings müssen sie sich beeilen. Denn anders als bei der Wahl mit Stift und Papier müssen sich Onlinewähler bis zum 22. Januar registrieren lassen. Schließlich soll noch genug Zeit sein, um ihnen den Pin-Code für die eigentliche Wahl zuschicken zu können. Auch am eigentlichen Wahltag ist die Stimmabgabe von zu Hause nicht möglich - Arizonas Demokraten wollen verhindern, dass zu viele Wähler zur selben Zeit das Computersystem zum Absturz bringen.