Verbraucherboykott: Bannstrahl gegen Tinten-Wucher - DER SPIEGEL
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Verbraucherboykott Bannstrahl gegen Tinten-Wucher

Für Hersteller von Tintenstrahldruckern wird Europa zum heißen Pflaster. Die Wucherpreise für Ersatzpatronen bringen nicht nur die EU-Kommission, sondern mittlerweile auch die Kundschaft auf die Palme. In den Niederlanden ruft jetzt eine 620.000 Mitglieder starke Verbraucherorganisation zum Boykott gegen Epson auf.
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Das Ärgernis ist ein altes: Während Tintenstrahldrucker zu Spottpreisen von unter 50 Euro verramscht werden, kosten Ersatzpatronen im Nachkauf zum Teil deutlich mehr. Die bizarre Folge: Funktionstüchtige Drucker landen auf dem Schrott, weil ein neueres Modell inklusive Tintenpatronen billiger ist als Ersatzpatronen für das alte Gerät.

Bereits Mitte 2002 kündigte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti an, einen längeren Blick auf das Preisgebaren der Druckerhersteller zu werfen. Kartellrechtliche Bedenken meldete er nicht nur angesichts der Tatsache an, dass der von wenigen Unternehmen beherrschte Druckermarkt "relativ konzentriert" sei. Die Rede war auch von technischen Tricks, mit denen die Hersteller die Benutzung von Billigpatronen diverser Zubehörhersteller verhindern wollten.

Ein Jahr und zahlreiche Verbraucherbeschwerden später ist zumindest in den Niederlanden die Geduld der Druckerbenutzer am Ende. Der niederländische Verbraucherverband "Consumentenbond" rief seine 620.000 Mitglieder dazu auf, künftig Produkte aus dem Hause Epson zu meiden. Hintergrund ist der "Intellidge"-Chip, der laut Epson den Druckerkopf vor dem Austrocknen bewahrt - und den Drucker schlicht lahm legt, wenn das Tintenreservoir knapp wird.

Der Consumentenbond und andere europäische Verbraucherschützer wollen jedoch in verschiedenen Tests herausgefunden haben, dass die Technologie vor allem eines bewirkt: Der Drucker schreit vorzeitig nach neuen, teuren Patronen, obwohl eigentlich noch genug Tinte vorhanden sei. "Wir leugnen nicht, dass es sinnvoll ist, einen gewissen Anteil an Resttinte zu haben", sagte Consumentenbond-Sprecher Ewald van Kouwen. Allerdings sei festgestellt worden, dass manche Tintentanks noch bis zu 30 Prozent gefüllt waren, als der Drucker wegen angeblicher Mangelerscheinungen seinen Dienst quittierte. "Das ist kein kleiner Rest mehr", meint van Kouwen, "das ist lediglich eine Art, die Leute schneller mehr Tinte kaufen zu lassen."

Das britische Magazin "Which?" will Epsons "Intellidge"-Chip zu Testzwecken überbrückt und dem Drucker damit bis zu 38 Prozent mehr Seiten in guter Qualität entlockt haben. Mancher Hersteller, empörten sich die Tester, verlange im Übrigen für Druckertinte einen höheren Literpreis als französische Champagnerhändler für einen 1985er Dom Perignon.

Auch in Deutschland spüren die Druckerhersteller den Widerstand der Verbraucherlobby. Die Stiftung Warentest etwa erfrechte sich, Billigpatronen und die teuren Originaltintentanks miteinander zu vergleichen - um danach freudig zu verkünden, dass die Ware vom Fremdhersteller nicht nur preiswerter, sondern manchmal auch qualitativ besser ist.

Epson drohte dem holländischen Consumentenbond als Antwort auf den Boykottaufruf, sich notfalls mit einer Klage zu wehren. Verbraucherschützer van Kouwen konterte auf seine Weise. Es gebe da schließlich noch ein kleines Gerät, meinte er in einem Interview. Mit dem könne man Epsons "Intellidge"-Chip, der nicht nur die volle Nutzung des Tintenreservoirs, sondern mitunter auch das Nachfüllen der Originalpatronen verhindert, einfach ausknipsen. Nur 30 Dollar koste die kleine Kiste - und damit weniger als ein Schluck Dom Perignon.