Verbrechensbekämpfung: Straßenlaterne schlägt Videokamera - DER SPIEGEL
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Verbrechensbekämpfung Straßenlaterne schlägt Videokamera

Eine Studie entlarvt Großbritanniens teures elektronisches Überwachungsnetz als Humbug. Die Videokameras taugen weniger zur Abschreckung von Dieben und Gewaltverbrechern als eine simple Straßenlaterne.
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London - Big Brother ist nicht etwa in China oder Nordkorea zuhause, er wacht am Piccadilly, in der Bond Street oder am Trafalgar Square. In keinem Land auf der Welt gibt es so viele Überwachungskameras, wie in Großbritannien. Nach Angaben von Bürgerrechtsgruppen sind in Großbritannien inzwischen rund 1,5 Millionen der elektronischen Spione an Straßenecken und öffentlichen Plätzen installiert. Statistisch gesehen wird jeder Londoner bei einem Gang durch die Stadt mindest acht Mal von einer Überwachungskamera gefilmt. Doch die Briten stört das nicht. Im Gegenteil: Sie fühlen sich beschützt - wo der Große Bruder zuschaut, so ihr Kalkül, setzen Räuber gar nicht erst zum Sprung an.

Erst am vergangenen Freitag wurde in Manchester ein neues High-Tech-Netz eingeweiht. Mit mehr als 400 Kameras ging das bislang Großbritanniens größtes zentral kontrolliertes Überwachungssystem in Betrieb. Von der Zentrale aus können die Aufpasser auf einer großen Monitorwand beobachten, was sich im Stadtzentrum und auf Parkplätzen abspielt.

Doch britische Forscher der National Association for the Care and Resettlement of Offenders (Nacro) wollen jetzt herausgefunden haben, dass das Überwachungsnetzwerk allenfalls zu einer trügerischen Sicherheit führt. Aus ihrer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Auftrag der britischen Regierung, die 34 groß angelegte Untersuchungen in Großbritannien und Nordamerika zwischen 1978 und 2000 mit einbezieht, geht hervor, dass die Verbrechensquote in Gegenden mit intensiver Videoüberwachung lediglich um vier Prozent reduziert worden ist. Besonders Gewaltverbrecher ließen sich durch die stummen Wächter nicht abhalten.

Auch Autodieben und Vandalen ist es offensichtlich schnuppe, ob sie bei ihrem destruktivem Treiben beobachtet werden. In Stadtgebieten sank die Rate der geklauten oder beschädigten Autos gerade einmal um zwei Prozent. Nur auf öffentlichen Parkplätzen war mit 41 Prozent ein nennenswerter Rückgang zu verzeichnen.

Das Ergebnis deckt sich mit dem früherer Studien. Hinzu komme, dass die Kriminalitätsrate insgesamt eher gestiegen sei, heißt es in der Studie. Die Überwachung einzelner Bezirke würde die Kriminalität daher nur in andere Bezirke treiben.

Narco-Sprecherin Rachel Armitage glaubt denn auch, dass es wesentlich billigere und wirksamere Möglichkeiten gibt, die Verbrechensrate zu senken. Dazu gehöre beispielsweise eine bessere Straßenbeleuchtung: "Was würden Sie vorziehen, wenn Sie die Wahl hätten: Eine dunkle Straße entlang zu gehen, die von Überwachungskameras beobachtet wird, oder eine gut beleuchtete Straße?"