Verkehrte Welt KaZaA verklagt RIAA
KaZaA, Marktführer unter den P2P-Börsen und erst kürzlich durch ein für die Börse positives Urteil in den Niederlanden gestärkt, geht in den USA selbst juristisch in die Offensive. Das Bezirksgericht in Los Angeles gab einer Klage der P2P-Börse statt, die Musikindustrie-Lobby RIAA habe die Copyrights von KaZaA verletzt.
Für die Mächtigen der heftig gebeutelten Musikbranche ist das verkehrte Welt. Seit April letzten jahres verklagt sie gezielt die Nutzer von KaZaA, eben wegen Copyright-Verletzungen. KaZaA argumentiert nun, auch die RIAA habe sich schuldig gemacht, weil sie in unzulässiger Weise die urheberrechtlich geschützte Software von KaZaA genutzt habe, um Nutzerdaten auszuspionieren und defekte Dateien in das Tauschnetzwerk zu schleusen.
Doch die Klage geht noch weiter: Weil KaZaA seit einiger Zeit versucht, seine technologische Plattform als legalen Vertriebskanal für urheberrechtlich geschützte Medien zu vermarkten, wirft das Unternehmen der Musikindustrie auch vor, gegen das Kartellrecht verstoßen zu haben. Die Industrie habe demnach verhindert, dass Sharman Networks gemeinsam mit Partner Altnet Inc. legale Kopien von Musikstücken und Filmen vertreiben konnte.
Die KaZaA-Klage kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Klagestrategie der RIAA einiges an Schwung verloren hatte. Nach einer entsprechenden Gerichtsentscheidung ist es der Musikindustrie nicht mehr möglich, bei Serviceprovidern einfach die Offenlegung von Identitäten von P2P-Nutzern einzufordern. Nun muss sie in jedem spezifischen Fall umständlich den Weg über ein Gericht wählen, um die Offenlegung zu erreichen. In der letzten Woche machte sie erstmals einen entsprechenden Versuch, und das gleich in großem Maßstab: Die RIAA reichte 522 einzelne Anträge ein.
Wann es zur ersten verhandlung KaZaA gegen RIAA kommt, ist noch nicht bekannt.
Europa: Vor der ersten Klagewelle?
Auch in Europa setzt die Industrie nun auf eine härtere Gangart und bietet zugleich legale Alternativen - Zuckerbrot und Peitsche nennt das der Volksmund.
Noch in der ersten Jahreshälfte 2004 will die Musikindustrie in möglichst allen europäischen Ländern den Weg für legale Download-Börsen freigemacht haben - wenn man einmal von einem Faktor absieht: Von der übermächtigen Konkurrenz. Denn das Haupthindernis auf dem Weg zum kommerziellen Erfolg sind nach wie vor die P2P-Börsen.
- RIAA
- KaZaa
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI)
- Bundesverband der Deutschen Phonowirtschaft (Ifpi) -:offizielle Website
Während deren Nutzer in den USA seit April letzten Jahres damit rechnen müssen, von der Musikindustrielobby RIAA verklagt zu werden, lebten Downloader in Europa bisher relativ sicher. Das, war auf der Musikindustriemesse Midem in Cannes zu hören, wollen die Unternehmen, vertreten durch ihren Verband IFPI, so schnell wie möglich ändern.
In Frankreich prüfen die Musikverbände die Möglichkeiten von ersten Klagen, in Deutschland wartet alles auf den so genannten "zweiten Korb" der Urheberrechtsnovelle. Sollte der eine Auskunftsverpflichtung von Serviceprovidern gegenüber der geschädigten Industrie enthalten, stünde der Weg für Klagen offen.
IFPI-Chef Jason Berman glaubt fest daran, dass die Klage-Strategie Erfolg verspricht: Studien wiesen aus, dass schon die Klagewelle in den Vereinigten Staaten das Volumen der über P2P-Börsen getauschten Datenmengen empfindlich gesenkt habe. In den USA begann gerade Pepsi mit einer Werbekampagne, in der von der Musikindustrie verklagte Jugendliche auftreten, die für legale Downloadmöglichkeiten werben. Die US-Musiklobby RIAA bejubelt das Werbekonzept: Schließlich gehe es um einen "Bewusstseinswandel".
P2P-Nutzern bewusst machen will Berman, dass es schon jetzt rund 25 legale Börsen in Europa gibt, die aber "kaum jemand" kenne. Immerhin habe Peter Gabriels Unternehmen OD2 in den letzten Jahren insgesamt schon drei Millionen Songs online verkauft.