Verratener Verräter Haft für den Hacker
Nach außen wirkte Max Butler vollkommen normal und durchschnittlich. Niemand hätte geahnt, dass der Betreiber von "Vision Network Security", einer Sicherheitsfirma im Silicon Valley, in einem anderen Leben als FBI-Spitzel arbeitete.
Fünf Jahre lang, so berichtet "Wired", hatte er als "The Equalizer" Informationen über größere Einbrüche in Systeme an das FBI weitergegeben und die Identität von Telefonhackern gelüftet, die sich 1996 in 3Coms PBX eingehackt und gratis Ferngespräche geführt hatten. Max verfolgte sie, verwickelte sie im Internet in Chats, die er aufzeichnete und dem FBI übergab.
Ob Max seine Aktivitäten moralisch vor sich selbst vertreten konnte, bleibt unklar. Als Betreiber der Webseite Whitehats hatte er jedoch eine klare Position bezogen. "White hats" sind "gute" Hacker, die - im Gegensatz zu den "bösen" "Black hats" sich nicht etwa aus kriminiellen Beweggründen wie der Gier nach Geld oder Ruhm in Systeme hacken, sondern um die Systeme sicherer zu machen. Auf der Seite steht Software zum Download bereit, Netzbetreiber werden beraten, wie sie ihre Netze sicherer machen können. Max war entschieden gegen kriminelle Machenschaften im Netz.
Wenn das FBI vor der Tür steht...
Begonnen hatte alles damit, dass 1996 das FBI an die Tür des Hackers "Max Vision" klopfte. Offenbar hatte man etwas gegen ihn in der Hand.
Man bot ihm an, ihn nicht weiter zu belangen, wenn er sich im Gegenzug bereit erklärte, die Szene im Auge zu behalten und dem FBI dezente Hinweise zukommen zu lassen.
Max Vision besuchte den Hacker-Kongress "DefCon 6" im Juli 1998. Auf Wunsch des FBI versuchte er, Verschlüsselungscodes des Programms PGP von Kongressbesuchern zu bekommen und weiterzureichen.
Das Verschlüsselungsprogramm PrettyGoodPrivacy macht E-Mails "abhörsicher", nur mit den zugehörigen Codes kann die elektronische Post gelesen werden. Er, der sich selbst als guter Hacker sah, verpfiff Leute, die ihm vertrauten. Er wurde zum V-Mann. Das war der Deal.
Bis Max sich eines Tages weigerte, eine Abhörvorrichtung zu einem Treffen mit seinem Freund Matthew Harrigan, einem ehemaligen Hacker und mittlerweile Chef der Sicherheitsfirma MCR, mitzunehmen. Daraufhin wurden die Männer mit den Trenchcoats ungemütlich. Im März 2000 wurde Max zuhause verhaftet.
Ein abschreckendes Urteil
Die Liste der ihm zur Last gelegten Straftaten war lang: Unberechtigter Zugang zu fremden Computersystemen, unberechtigter Besitz gestohlener Passwörter und Abfangen von Kommunikation. Nur zu einem der ihm vorgeworfenen Vergehen hat die Verteidigung auf schuldig plädiert: Die Sache mit dem Wurm.
Max hatte einen Wurm programmiert, der Sicherheitslöcher schloss, die von einem anderen Wurm ausgenutzt wurden, der zur selben Zeit unterwegs war.
Systeme, die mit Max' Wurm infiziert waren, reparierten automatisch die Sicherheitslücken, nachdem sie ein patch-downloading vollzogen hatten. Der bösartige Wurm konnte in diese Rechner nicht mehr eindringen. Eine gute Sache.
Schlecht war allerdings, dass Max' Wurm eine Hintertür nur für Max offen ließ. Andere Hacker konnten nicht mehr in die Systeme, Max hingegen schon.
1998 hatte sich der Wurm innerhalb weniger Tage durch Hunderte von militärischen und zu Verteidigungszwecken genutzten Rechnern fortgepflanzt.
Nun wurde er dafür zu 18 Monaten Haft verurteilt. Dank einer Kaution ist er jedoch bis zum 25. Juni auf freiem Fuß.Richter James Ware bemerkte, mit dem Urteil wolle man natürlich auch andere Hacker abschrecken.
Anläßlich des Prozesses gab sich Max zerknirscht. Dass er Freunde verletzt und seinen geschäftlichen Ruf geschädigt hat, ist sicher hart für ihn. Noch härter dürfte ihn treffen, dass er in den kommenden drei Jahren nur mit Zustimmung seines Bewährungshelfers ins Internet darf.