Videospiele: Das Jahr der Affen - DER SPIEGEL
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Videospiele Das Jahr der Affen

Im chinesischen Kalender mag das Jahr des Affen hinter uns liegen, aber Videospieler haben es noch vor sich. Denn bald feiert ein Gorilla namens Donkey Kong seinen 25. Und dann ist da noch der große Bruder.
Von Richard Löwenstein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Affen genießen in Japan einen besonderen Status. Sie gelten dort seit dem Mittelalter als possierlich und gelehrig. Sie können Böses vertreiben, heißt es in einem Informationsblatt des japanischen Generalkonsulats, und sie verbreiten Frohsinn unter den Menschen.

Seit der Kamakura-Zeit (1192 bis 1333) tingeln Affen in Begleitung ihres Saru-Mawashi ("Affenführer") durch japanische Metropolen und führen auf belebten Plätzen akrobatische Kunststücke auf. Manchmal kann man noch heute solche tierischen Gauklerbanden beobachten.

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Prima Primaten: Affen im Spiel

Betrachtet man Videospiele japanischer Herkunft, dann fällt wieder auf, dass Affen oder überhaupt Tiere einen ganz anderen Platz als in westlicher Unterhaltungs-Software einnehmen. Die Hauptrollen in Spielen aus USA, England oder Deutschland sind selten tierisch besetzt. Vertreter der Fauna bilden höchstens mal den Gegenpol zum Helden und verursachen dessen Ableben. Bei japanischen Produktionen tanzen einem Gorillas und Schimpansen nicht nur auf der Nase herum, sondern markieren selbst die sympathisch-drollige Hauptfigur.

In einem Umfeld, wo einem Makaken auf offener Straße über den Weg laufen und Affen-Abbildungen an Wänden Geister vertreiben sollen, wuchs ab 1952 ein Mann namens Shigeru Miyamoto auf. Er begann seine Karriere 25 Jahre später; arbeitete bei Nintendo als Grafiker an den ersten Videospielen. 1980 keimte in ihm die Idee für ein eigenes Werk. Er erfand einen Gorilla, stellte ihn oben auf ein Baugerüst und ließ ihn Tonnen hinunter werfen. Unten am Fundament versuchte ein vom Spieler kontrollierter Handwerker, den Hindernissen auszuweichen, heraufzuklettern und Freundin Pauline zu befreien. Der Gorilla hieß Donkey Kong, der Kerl in Latzhosen hatte zunächst keinen Namen. Heute kennt ihn alle Welt als Mario.

Donkey Kongs Jubiläum

Handlung und Gameplay mögen aus heutiger Sicht banal wirken, aber ab Januar 1981 begeisterte der Spielhallen-Automat "Donkey Kong"-Videospieler weltweit. Nachvollziehbar, denn als Gamer konnte man zu dieser Zeit entweder bei "Pong" Bälle dreschen oder bei "Pac-Man" Pillen jagen. Jetzt durfte man plötzlich so viel mehr tun, nämlich rennen, springen, ausweichen! "Donkey Kong" lockte vor allem Jugendliche an die Spielautomaten und sammelte deren Taschengeld ein.

Wo Geld verdient wird, sind Neider nahe: Die Universal Studios verklagten Nintendo am 29. Juni 1982, weil es sich bei der Figur des Donkey Kong um ein Plagiat des Gorillas aus dem Filmklassiker "King Kong" von 1933 handeln sollte. Ein Anwalt namens Howard Lincoln belehrte Universal eines Besseren. Er gewann den Prozess für Nintendo, wechselte selbst an die Unternehmensspitze und verordnete der Firma eine Donkey-Kong-Zucht.

Erste Früchte zeitigte die 1983, der Nachwuchs hörte auf den Namen "Donkey Kong Jr.".

In dem Arcade-Game mimt Donkey Kong keinen grimmigen Frauenklauer und Tonnenwerfer mehr, sondern einen Vater in Not. Junior muss Senior aus Marios Klauen befreien. Im selben Jahr veranlasste Nintendo Umsetzungen der "Donkey Kong"-Games für alle weit verbreiteten Videospiel-Konsolen und Heimcomputer, und stampft seitdem fast jährlich weitere Affenspektakel aus der "Donkey Kong"-Serie aus dem Boden. Zuletzt (für Gamecube) das Karaoke-Getrommel "Donkey Konga" und das Dschungel-Jump'n'Run "Jungle Beat", die beide recht skurril gesteuert werden - nämlich mit Plastik-Kongas auf den Knien.

Über hundert Affen-Games

Jetzt, wenige Wochen vor Donkey Kongs 25. Geburtstag, zählt das Internet-Portal Gamefaqs unter den englischen Suchbegriffen "Ape" und "Monkey" insgesamt 123 Veröffentlichungen auf. Ein paar Primaten kehren selten aber zuverlässig wieder, etwa der Oberschurke Andross aus "Star Fox". Andere Affen kennt man von früher, beispielsweise die aus "Toki", "Rampage" und "Monkey Island".

Längst bauen neben Nintendo zwei andere Unternehmen die Cousins des Menschen zur Marke auf, beide haben ihren Firmensitz in Japan.

Sony ließ erstmals 1999 im Playstation-Jump'n'Run "Ape Escape" ein Affenrudel Reißaus nehmen, gab Videospielern ein Fangnetz in die Hand und produziert seitdem Nachfolger und Ableger am laufenden Band. "Monkey Mania" für Playstation 2 beispielsweise, wo man vor der Eyetoy-Kamera herumhampelt und Affen vom Bildschirm wischt. Oder "Ape Academy" für die PSP, das 40 Geschicklichkeits- und Reaktions-Disziplinen zur Affen-Olympiade zusammenfasst.

Sega verwirklicht seit 2000 ein mindestens ebenso abgedrehtes Konzept mit primatigem Schwerpunkt. Das Unternehmen aus Tokio setzt einen stummelschwänzigen Makaken in eine durchsichtige Murmel, lässt ihn über wacklige Ebenen rollen, auf verdrehten Schienen balancieren, und nennt das Ergebnis "Super Monkey Ball". Die Kugelei ist inzwischen zur dreiteiligen Serie angeschwollen. Sie wird im März 2006 mit dem Nintendo-DS-Titel "Super Monkey - Ball Touch & Roll" noch nicht ihren Abschluss finden, weitere Fortsetzungen sind fest geplant.

King Kong als Videospiel

Den größten aller Affen lassen allerdings keine Japaner, sondern Franzosen von der Leine.

Dieser Tage veröffentlichte Ubisoft das Abenteuerspiel zu Peter Jacksons Leinwand-Remake "King Kong". Eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Adaption. Zunächst, weil der Videospiel-Hersteller so früh und so nahtlos in den Entstehungsprozess der Filmvorlage eingebunden war, wie selten einer zuvor. Die enge Zusammenarbeit zwischen Filmregisseur Peter Jackson, Game-Designer Michel Ancel ("Beyond Good and Evil") und beiden Crews hatte zur Folge, dass Videospieler die aus dem Film entliehenen Figuren schon jetzt kennen lernen, während Cineasten dazu erst ab dem Kinostart am 14. Dezember Gelegenheit bekommen.

Das Abenteuerspiel schafft, was bisher kaum einem Game gelingt: Es verknüpft spannende Action mit Figuren, die selbst in den Nebenrollen glaubhaft wirken. Carl Denham etwa sieht aus wie Schauspieler Jack Black und kommt tatsächlich als besessener Filmemacher rüber. Im Zentrum des Interesses stehen allerdings zwei andere Herren.

Da ist zunächst Jack Driscoll, der eher unfreiwillige Begleiter von Carl. Gemeinsam mit ihm und etwas Anhang strandet Jack an den Klippen von Skull Island und bricht zur Erkundung der geheimnisvollen Insel auf. Man folgt ihm und erlebt intensive Stunden, gefüllt mit Flucht, Kampf, Hetzjagd und der Begegnung mit der anderen Hauptfigur: der riesigen Affenkreatur Kong.

Nichts unterstreicht das offenbar ziemlich große Vertrauen zwischen den Machern von Film und Spiel deutlicher als die Tatsache, dass man nach dem Abenteuer mit Jack in die Rolle des eigentlichen Herrschers über die Insel wechselt und anschließend sogar die Handlung verändern kann. Während nämlich der Tod des XXL-Primaten im Film unvermeidlich ist, steuern Videospieler auf Wunsch einer Alternative entgegen. Dass deshalb nach Nintendo, Sony und Sega nun auch Ubisoft einen Affen zum Helden einer Serie machen wird, scheint trotzdem unwahrscheinlich.

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