Virale Werbung: Twitter will bald überall sein - DER SPIEGEL
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Virale Werbung Twitter will bald überall sein

Twitter nutzen, ohne Twitter aufzurufen: Der populäre Kurznachrichtendienst soll künftig direkt in diverse Online-Angebote integriert werden. Ein Konzept, das Erfolg verspricht - obwohl die Präsentation ein Desaster war.
Da will Twitter hin: Tief integriert in kommerzielle Web-Angebote
Da will Twitter hin: Tief integriert in kommerzielle Web-Angebote

Da will Twitter hin: Tief integriert in kommerzielle Web-Angebote

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Twitter-Chef Evan Williams ließ sich nicht lange bitten. Kaum hatte er am Montagabend die Bühne im Austin Convention Center betreten, verriet er auch schon die große Neuigkeit, die er zu verkünden hatte: Twitter will sich breit machen, seine Dienste bald auf vielen Web-Seiten und nicht mehr nur auf twitter.com bereitstellen. Auf eine Ankündigung wie diese hatten viele der mehr als zehntausend Teilnehmer der Konferenz South by Southwest Interactive (SXSWi) gewartet. Williams Auftritt war das wohl populärste Ereignis des Multimedia-Festivals in Texas, wurde von etlichen Bloggern live im Netz kommentiert. Der riesige Veranstaltungssaal war bis auf den letzten Platz besetzt - zu Beginn.

Erstaunlich ist das nicht, zählen soziale Netzwerke - und vor allem Twitter - doch seit Jahren zu den Kernthemen der US-Veranstaltung. Nirgendwo sonst dürfte die Tweet-Dichte so hoch sein wie auf diesem Jahrestreffen der Web-Entwickler. Manchmal könnte man meinen, wer nicht twittert, existiere gar nicht. Doch dass sein eigener Dienst unter den Zuschauern so beliebt ist, konnte Williams bei seinem Auftritt nicht helfen, im Gegenteil.

Noch während der Twitter-Mitgründer sich auf der Bühne zu seinen Plänen befragen ließ, fingen einige seiner Zuschauer an, via Twitter zu lästern. Bloggerin Charl Lee-Pearce etwa berichtete: " Der Typ hinter uns schnarcht ". Eine Produktmanagerin von MTV flehte unterdessen : " Jemand. Irgendjemand. Unterbrecht diese Keynote und stellt Evan eine gute Frage ". Marketingspezialist Uwe Hook versuchte in der offenbar etwas trägen Veranstaltung zumindest etwas Positives zu sehen, kommentierte: "Die Keynote bietet den Zuschauer dringend benötigte Ruhe, fast wie ein buddhistisches Kloster ".

Schlangen an den Ausgängen

Dass solche Meinungsäußerungen keine Einzelfälle waren, zeigte sich auch im Saal selbst. Scharenweise verließen gelangweilte Zuhörer den Saal, noch während Williams und Interviewer Umair Haque miteinander plauderten. PR-Mann Dave Fleet  berichtete, durch den Exodus hätten sich vor den Saaltüren sogar Schlangen gebildet.

Dabei hätte Evan Williams seinen Zuhörern durchaus einiges zu sagen gehabt, wie man spätestens erfährt, wenn man den Blogeintrag zu @anywhere liest, der noch während der Veranstaltung ins Twitter-Blog  gestellt wurde. Demnach soll die neue Plattform den Kurznachrichtendienst künftig viel tiefer in Web-Seiten anderer Anbieter einbinden als bisher. Viel Aufwand seitens der Betreiber sei dafür nicht einmal nötig. Indem sie nur wenige Zeilen Javascript in den HTML-Code ihrer Seiten einfügen, sollen Webmaster Twitter-Dienste in ihr Angebot integrieren können.

Big Shots als Partner zur Einführung

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte Williams anhand eines kurzen Demovideos. Darin war zu sehen, dass man mit wenigen Klicks einer Person oder Organisation, die im Text genannt wird, oder dem Autor des Textes, via Twitter folgen kann. Auch weitere Informationen wie etwa der letzte Tweet der jeweiligen Person können direkt eingesehen werden, ohne dass man zuvor auf die Twitter-Seite wechseln müsste. Zudem wurde gezeigt, wie man seine Twitter-ID nutzen kann, um sich auf personalisierbaren Web-Seiten einzuloggen.

Als Partner zur Einführung des neuen Angebots werden unter anderem Amazon, Bing, Ebay, die "New York Times", Yahoo! und YouTube genannt. Und auch die dürften von der Twitter-Integration profitieren. YouTube etwa, indem Nutzer Videos, die ihnen gefallen, direkt via Twitter weiterverbreiten können, Amazon, indem Kunden Infos über neue Angebote oder etwaige Schnäppchen durch den Kurznachrichtendienst weiterverbreiten. Billiger kann man virale Werbung nicht bekommen.

Wann die Twitter-Partner damit anfangen können, von ihren Kunden und Nutzern zu profitieren, ist allerdings noch unklar. Einen Einführungstermin für @anywhere nannte Williams nicht.

mak