Virtueller Beichtstuhl: Konkurrenz zur Kirche? - DER SPIEGEL
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Virtueller Beichtstuhl Konkurrenz zur Kirche?

Um zu beichten, müssen Christen nicht länger ein Gotteshaus aufsuchen: Seit Donnerstag können Sünden auch im Internet gestanden werden - einfach per Mausklick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Der Internet-Beichtstuhl, ein Service der britischen Radiostation Premier Christian Radio , soll ohne Umwege reuige Fehlgeleitete zum Nachdenken bringen und ihnen Trost spenden. Doch das Angebot ist nicht unumstritten. Die Katholische Kirche fürchtet offensichtlich um ihr Monopol: Wie ein wenig begeisterter Kirchensprecher gegenüber der Zeitung "Daily Telegraph" klarstellte, kann ein Sündenbekenntnis keinesfalls über das Telefon oder gar per E-Mail erfolgen.

Anstatt in dunkelbraunem Holz kommt der virtuelle Beichtstuhl  ganz in Himmelblau daher. Kleine Wattewölkchen, Sonnenblumen und Federn sorgen dafür, dass auch das Auge beim Beichten nicht zu kurz kommt. Ansonsten hat der Sünder viel zu lesen: Zunächst ein paar einleitenden Bibelworte, dann generelle Bemerkungen zum Sinn der Beichte, schließlich das eigentliche Formular - mit zwei verschiedenen Möglichkeiten.

Entweder tippt der Sünder in einem kleinen Fenster selbst seine Beichte ein, oder er wählt ein Standard-Sündenbekenntnis. Anschließend muss er nur noch auf einen Button klicken, und die Beichte ist unterwegs. Wie der christliche Radiosender erklärte, wird der eingetippte Text dabei nicht abgeschickt - er ist lediglich auf dem Bildschirm des Beichtenden zu sehen. "Dies bleibt zwischen Gott und Dir", wird auf der Webseite versichert.

Nach der Beichte können die Internet-Nutzer sich nach einem Korinther-Spruch, einem abschließenden Gebet und den Logos der Sponsoren wieder verabschieden. "Wenn die Leute sich ein wenig Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was sie tun und was das für andere bedeutet, dann ist das zweifellos von beachtlicher spiritueller Bedeutung", sagt Peter Kerridge, Leiter von Premier Christian Radio. "Unser Beichtstuhl sollte als Mittelpunkt solchen Nachdenkens verstanden werden."

Doch auch die Sünder, die während der Internet-Beichte schlappmachen, sind für Kerridge noch nicht verloren. Ein Klick auf den "Exit"-Button führt direkt auf die Homepage des christlichen Senders.