Virtuelles Bacharchiv: Akustischer und optischer Genuss - DER SPIEGEL
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Virtuelles Bacharchiv Akustischer und optischer Genuss

Ein paar Jahre wird es wohl noch dauern, bis das Bach-Archiv im Internet fertig ist. Bis jetzt begrüßen die Seiten den Besucher nur mit "Hallo". Dabei ist das "Bachjahr" 2000 schon zur Hälfte vorüber.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Leipzig - Nahezu alle vorhandenen Autographen (Handschriften) und Werke des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) sollen in einigen Jahren in einer digitalen Bibliothek mit offenem Internetzugang abrufbar sein. "Damit werden die teilweise vom Verfall bedrohten und in unterschiedlichen Bibliotheken verstreuten Handschriften und Druckwerke dauerhaft der Nachwelt zur Verfügung gestellt", sagte Herbert Herz, Leiter Förderprogramme bei IBM, bei der Vorstellung der ersten digitalisierten Partituren in Leipzig. An Bachs Todestag (28. Juli) könnten die Zuschauer während der Live-Übertragung der h-Moll-Messe aus der Thomaskirche die gespielten Noten im Internet, teilweise aus den gedruckten Partituren, verfolgen.

Für das Projekt "Bach Digital" haben sich die Staatsbibliothek Berlin und IBM mit weiteren Bibliotheken in Deutschland zusammengeschlossen. "Wir wollen 1200 Werke mit über 2500 Seiten digitalisieren", sagte Herz. Unter der Internetadresse  können nicht nur Handschriften angeschaut, sondern auch die Musik dazu gehört werden.

Bis jetzt heißen die Macher den Besucher aber lediglich mit einem schmissigen "Hallo" willkommen. Die h-Moll-Messe, die Brandenburgischen Konzerte sowie vier Sonaten, Motetten und Kantaten seien bereits digitalisiert. Die Datenbank soll für wissenschaftliche und interpretatorische Zwecke oder für TV-Übertragungen zur Verfügung stehen.

Das Herz der digitalen Bach-Bibliothek, die über einen zentralen Library-Server in der Universität Leipzig läuft, bilden die derzeit aufwendig restaurierten Bach-Originale in der Berliner Staatsbibliothek, die rund 80 Prozent der Handschriften des Thomaskantors aufbewahrt.

In Zusammenarbeit mit Musikverlagen soll zudem das entsprechend gedruckte Notenmaterial eingespeist werden. Die Bach-Autographen sollen teils im Zustand vor und nach der Restaurierung abrufbar sein. Spezielle Suchfunktionen sollen Recherchen im Gesamtwerk des Komponisten ermöglichen.

Die Websites werden nach den Planungen der Macher zudem mit Instrumenten aus Bachs Zeit und Links zu verwandten Homepages aufgepeppt. Der Besucher soll in die musikalische Welt um 1750 entführt werden. Um einen Missbrauch der Handschriften zu verhindern, sollen die Autographen mit Wasserzeichen geschützt werden. Mehr als 400 Handschriften Bachs sind auf mehrere Orte in der Welt verteilt. Das neue Projekt will sie jetzt an einer virtuellen Stelle im Cyberspace bündeln.