Web-Entertainment Rodeo im Sahnebikini
Was tut man mittlerweile nicht alles für viel Geld und schnellen Ruhm. Monatelang unter TV-Beobachtung in Wohncontainern ausharren, auf einer Insel vor Borneo Pseudo-Überlebensspielchen veranstalten oder dusselige Fragen bei Günther Jauch beantworten. Beim großen Unterhaltungsbruder USA ist man allerdings wieder mal einen Schritt weiter. Für wenig Geld und wenig Ruhm aalen sich junge Amerikaner vor laufenden Kameras in Badewannen randvoll mit Würmern und Kakerlaken, lutschen an quiekenden Mäusen oder reiten splitternackt Rodeo - Brüste und Scham nur spärlich mit Sahne bedeckt.
"Dare for Dollars" nennt sich die Reality-Show, die seit geraumer Zeit im Internet die Grenzen des guten Geschmacks ausreizt. Für eine Hand voll Dollar geben sich amerikanische Desperados in der exklusiven Web-Sendung des Unterhaltungsnetworks Z.com für die skurrilsten Sachen her. "Die TV-Millionär-Gewinnspielsendungen haben die Leute von großen Geldgewinnen träumen lassen", erklärt "Dare for Dollars"-Produzent Barry Poznick die Idee zur Show. "Dabei muss man nicht gleich eine Million gewinnen, um glücklich zu sein. Jeder braucht doch immer irgendwie Geld, sei es für Eheringe, ein undichtes Dach oder ein defektes Auto."
So hatte etwa in der letzten Episode "High-Voltage" der 21-jährige Student Jonas gerade mal 1800 Dollar dafür bekommen, dass er an einer Stromleitung hängend 22 Stromstöße à 10.000 Volt aushalten konnte. Sein Herausforderer Brandon hatte schon nach insgesamt 210.000 Volt aufgegeben. Mit dem Geld will Jonas nun endlich seine Studiengebühren bezahlen, um weiterlernen zu können.
Unerschrockene Internetsurfer können Vorschläge für neue "Challenges" gleich auf der Website zur Extremisten-Show abgeben. Willkommen sind alle nur denkbaren Abartigkeiten - sofern diese allerdings weder illegal, noch pornografisch oder tatsächlich lebensgefährlich sind. Außerdem ist triftig zu begründen, weshalb dringend Geld benötigt wird. "Ich bin immer wieder überrascht, wie kreativ die Leute sind und was für schräge Ideen uns angeboten werden", sagt Poznick. Zum Teil scheint mit den Surfern bei Darefordollars.com aber auch die Phantasie durchzugehen: Unlängst hatte etwa ein Mann angeboten, für zehn Millionen Dollar vor laufender Kamera russisches Roulette zu spielen.
Web-User, die gegen einen Herausforderer antreten möchten oder vorgeschlagene Aktionen mit noch extremeren Details toppen wollen, können im "Auction-Forum" der Show-Website reagieren. "Man kann auch die Preisgelder runterhandeln. Derjenige, der für die geringste Summe zum Mitmachen bereit ist, kann in den Wettbewerb einsteigen", erklärt Poznick "Bei den Fernseh-Millionärshows treten Rechtsanwälte gegen Universitätsprofessoren an - wir wollen Leuten helfen, die das Geld wirklich gebrauchen können."
So wie Eryn und Colin aus dem kalifornischen San Louis Obispo, die in der heute gestarteten Episode "Bobbing for Maggots" gegen Aaron und Christine aus Chicago antreten. Colin braucht dringend Geld, um die Demo-CD seiner Rockband finanzieren zu können. Aaron und Christine wollen dagegen endlich aus dem heruntergekommenen Appartement von Aarons Mutter ausziehen. Das Paar, das innerhalb einer Minute mit dem Mund am meisten mit Maden durchsetzte Äpfel von einem Korb in einen anderen befördert, gewinnt 1800 Dollar.
Auch wenn das von verschiedenen Hollywood-Entertainmentgrößen initiierte Onlineprojekt Z.com keine Zugriffszahlen veröffentlicht, boomt die Show Aussagen von Poznick zufolge gewaltig. "Wir bekommen Bewerbungen aus Kanada, Korea, Kuba, England oder Australien - fast die ganze Welt will bei uns mitmachen," so der Produzent. Inzwischen sollen auch verschiedene internationale TV-Sender am Konzept der Show interessiert sein. Im Gespräch ist auch eine Tournee durch die USA. An Halloween veranstaltet die "Dare for Dollars"-Truppe bereits den "Bobbing for Maggots"-Wettbewerb live im Universal-Studios-Vergnügungspark in Hollywood.
"Seit Sendungen wie 'Survivor' oder 'Big Brother' gelaufen sind, hat sich auch die Popularität von Programmen wie 'Dare for Dollars' stark erhöht", erklärt Poznick. "Das Publikum steht derzeit einfach auf Reality-Stuff und Grausamkeiten."