Web-Gerüchte: Google + Firefox = Watsche für Microsoft? - DER SPIEGEL
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Web-Gerüchte Google + Firefox = Watsche für Microsoft?

So hartnäckig munkelte es seit Wochen im Web, Google plane die Programmierung eines eigenen Browsers, dass die Firma das Gerücht offiziell dementierte. Zu recht, behauptet eine neue Fama: In Wahrheit plane Google eine Allianz mit Mozilla.
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Bastelt Google an einer Kooperation mit der Mozilla Foundation? Das Gerücht wird auf etlichen Plattformen heiß diskutiert. Indizien dafür, dass Google Pläne in Sachen Browsersoftware hegen könnte, gibt es seit längerem: Im April registrierte der Suchmaschinenentwickler, der seit seinem Börsengang die Fühler in immer mehr Geschäftsbereiche streckt, die Domain "Gbrowser.com". Als Brancheninsider zudem eine signifikante Abwanderung ehemaliger Microsoft-Programmierer in Richtung Google registrierten, war das Gerücht des Sommers schnell gebacken: Da sei was im Busch, Google wolle dem Internet Explorer Konkurrenz machen.

Der hatte seit dem mehr oder minder vollständigen Kollaps von Netscape Ende der Neunziger eine fast konkurrenzlose Zeit genießen können. Erst seit rund zwei Jahren konnten Konkurrenten wie Opera, deren Browserversion 7.60 gerade als öffentliche Betaversion veröffentlicht wurde, oder Mozilla den "IE" ein wenig in Bedrängnis bringen. Seit der Veröffentlichung des schlanken Firefox-Browsers steigt der Marktanteil der Alternativen, während Microsoft zwar langsam, aber kontinuierlich verliert.

Schon werfen sich die Firefox-Macher stolz in die Brust und verkünden selbstbewusst, Microsoft mittelfristig zehn Prozent Marktanteil abjagen zu wollen. Auch die Gerüchte um eine mögliche Kooperation mit Google werden von den Mozilla-Leuten eher befeuert als dementiert.

So sagte Programmierer Bert Decrem gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass ein solcher Schritt aus Googles Sicht wohl "eine Unmenge Sinn machen" würde: "Das wäre ein cleverer Schritt."

Auf die direkte Nachfrage, ob denn bereits verhandelt würde, schaltet Decrem in den Diplomatengang: "Es gäbe eine Menge zu gewinnen, wenn ein Unternehmen sich den von uns entwickelten Code zu Nutzen machen würde. Wir haben ein starkes Interesse daran, mit möglichst vielen Partnern zusammen zu arbeiten."

Denn nicht nur Google ist im Gespräch, ab dem 9. November, dem offiziellen Veröffentlichungsdatum der ersten Firefox-Vollversion, als Vertriebspartner zu wirken. Ein heißer Kandidat wäre wohl auch die Tech-News-Seite Slashdot, die dem Open-Source-Lager auch inhaltlich sympathisierend nahe steht.

Google will die neuen Gerüchte nicht kommentieren. Dass das Unternehmen die Programmierung eines eigenen Browsers plane, dementierte ein Sprecher in der letzten Woche gegenüber der "Financial Times".

Das lässt viel Raum für Spekulationen und fördert die Gerüchte um eine mögliche Partnerschaft mit dem Open-Source-Lager noch - zumal die Mozilla Foundation seit langem zwar nicht offiziell, aber freundschaftlich mit Google kooperiert: Mozilla-Browser erlauben das Suchen im Web über direkte Eingaben in das Adressfeld des Browsers. Die voreingestellte Suchmaschine, die dafür benutzt wird, ist Google.

Genau hier liegt der mögliche gegenseitige Nutzen: Eine Verteilung von Firefox über Google würde die Verbreitungschancen des kleinen Mozilla-Browsers erheblich erhöhen, während Google sich zugleich per "eigenem" Browser gegen die angekündigte und befürchtete Konkurrenz durch einen verbesserten Microsoft-Suchdienst sichern könnte. Das Horrorszenario der gesamten Konkurrenz ist, dass es Microsoft gelingen könnte, eine wirklich effektive integrierte Softwaresuite für die Bewegung und das Suchen im Web vorzulegen, die die Nutzer dann wie gewohnt vorinstalliert auf ihren Rechnern fänden. Gegen das Moment der Bequemlichkeit, das wissen die Microsoft-Kontrahenten, ist auch mit besten Argumenten kaum etwas auszurichten.

Microsoft aber hat noch immer die Marktmacht, mit der Einführung einer neuen Softwaregeneration mächtige 90 Prozent und mehr des gesamten Marktes mit seinen Lösungen zu versorgen. Der IT-Koloss will in den nächsten Jahren eine nicht genau bezifferte dreistellige Dollarmillionensumme in die Entwicklung eines Suchdienstes stecken, der Google nicht nur Feuer unter dem Hintern machen soll, sondern auch in neue Versionen des firmeneigenen Browsers integriert werden wird.

Eine sich ständig verschärfende direkte Konkurrenz zwischen Google und Microsoft zeichnet sich also ab, auf die Google bereits unter anderem mit seiner Desktop-Search-Software reagierte. Ähnliche Dienste plant Microsoft als integrale Bestandteile der nächsten Windows-Version "Longhorn". Eine möglichst kurzfristig umzusetzende Kooperation mit einem populären Browserhersteller läge darum wohl durchaus in Googles Interesse: Angriff ist auf dem Web-Markt die beste Verteidigung.

Frank Patalong