Web-Medien Information rangiert vor Nutzwert
Seit 1997 beobachtet die ARD/ZDF-Medienkommission in jährlichen Studien die Entwicklung des Onlinemarktes. Die neueste bestätigt einmal mehr, dass aus dem einstigen Experten- endgültig ein Massenmedium geworden ist: Stolze 55,3 Prozent (alte Bundesländer 56,1 Prozent, neue Bundesländer 52,3 Prozent) "Onliner" zählt die Studie, ausgehend von der Bevölkerung ab 14 Jahren. 35,7 Millionen Deutsche bewegen sich demnach zumindest gelegentlich durchs Netz der Netze, im Durchschnitt 43 Minuten am Tag.
Zwar scheinen die Zeiten vorbei, in denen die Nutzerzahlen sprunghaft stiegen, doch auch ein "moderater" Anstieg von vier Prozent kann sich sehen lassen. Denn bestimmte Teile der Bevölkerung werden längst flächendeckend erreicht. Kaum noch zu steigernde 94,7 Prozent der 14- bis 19-Jährigen surfen demnach im Web. Doch Web-Nutzung ist keine reine Generationenfrage: Während 73,4 Prozent aller Berufstätigen ihren Nutzen im Netz suchen, lockt es gerade 22,9 Prozent der Nicht-Berufstätigen hinaus in die virtuellen Weiten. Vergleichsweise niedrig fällt der Anteil der Netznutzer auch unter den Rentnern aus: Nur 14,5 Prozent der Deutschen über 60 Jahre haben das Internet für sich entdeckt.
Von besonderem Interesse für Medienhäuser ist stets die Frage, ob und in welchem Maße das Aufkommen eines neuen Mediums die Nutzung anderer beeinflusst. Die repräsentative ARD/ZDF-Auftragsstudie sieht hier vor allem auf die Fernsehnutzung und gibt Entwarnung: Die durchschnittliche Online-Nutzung sei gegenüber dem Vorjahr um 2 Minuten gesunken, der TV-Konsum dagegen um 9 Minuten gestiegen (von sagenhaften 221 Minuten am Tag auf 230 Minuten). Eine "Verdrängung" der klassischen Medien durch das Internet finde darum nicht statt. Trotzdem weist die Studie nach, dass zumindest extensive Netznutzer den Gebrauch anderer Medien einschränken. Hauptleidtragender scheint hier jedoch die Tageszeitung zu sein.
Die von ENIGMA GfK Medien und Marketingforschung/Wiesbaden durchgeführte Studie basiert auf der Befragung von 2537 Onlinern und Offlinern im gesamten Bundesgebiet, die vom 26. April bis zum 29. Mai durchgeführt wurde. Befragt wurden die Teilnehmer auch nach ihren Nutzungspräferenzen. An erster Stelle stehen demnach tagesaktuelle Informationen, unter denen die Angebote von klassischen Nachrichtenmedien wie SPIEGEL, heute, n-tv oder Tagesschau auch im Internet als qualitativ besonders hochwertig gelten.
Auf den Plätzen zwei und drei auf der Beliebtheitsskala folgen Freizeitinformationen und Veranstaltungstipps sowie Verbraucher- und Ratgeberinformationen. Für Online-Publisher ist das ein wahres Wunschergebnis: Information rangiert vor reinem Nutzwert.
Eine ausführliche Zusammenfassung der Studienergebnisse in drei PDF-Dokumenten ist über die Webseite der ARD zu erhalten .